Anlegen - Steigende Bondrenditen helfen auch dem Aktienmarkt

Aktienkurse steigen, wenn Anleihen nichts abwerfen: Das ist die Regel. Doch die US-Grossbank J.P. Morgan sieht keinen Gegensatz bei hohen Bondrenditen und höheren Aktienpreisen.
21.09.2019 10:35
Gehen Aktienkurse und Bondrenditen wie eine Schere auseinander? Nein, sagt J. P. Morgan.
Gehen Aktienkurse und Bondrenditen wie eine Schere auseinander? Nein, sagt J. P. Morgan.
Bild: Pixabay

Der Kursrückgang bei den festverzinslichen Wertpapieren in diesem Monat schürte Besorgnis bezüglich möglicher Risiken für die Aktienmarkt-Hausse. Bisher hat der Aktienmarkt den Unkenrufen getrotzt, und der Auslöser für den Renditesprung - der verbesserte Konjunkturoptimismus - hat Grössen wie Eaton Vance Management und Fidelity International beruhigt, dass die Rally weiterlaufen kann.

Die Flucht aus sicheren Häfen und überfüllten Bond-Proxies (wie defensive Aktien) löste eine Umschichtung in konjunktursensiblere Aktiensektoren aus. Die Ausweitung der Aufwärtsbewegung auf Substanzwerte und zyklische Aktien wird die Rally unterstützen, schrieb J. P. Morgan in einer Notiz an Kunden. In den letzten zehn Jahren sind die Aktien jedes Mal gestiegen, wenn die Anleiherenditen um mindestens 50 Basispunkte zugelegt haben, sie kletterten im Durchschnitt um 6 Prozent.

US-China-Gespräche geben Schub

Die Ursache für den Stimmungswandel erklärt auch die gelassene Reaktion des Aktienmarktes auf den Ausverkauf am Rentenmarkt. Der Renditeanstieg geschah angesichts des Optimismus, dass die Handelsgespräche zwischen den USA und China fortgesetzt werden. Das lieferte ein positives Signal für das Wirtschaftswachstum und damit auch für Aktien.

"Die Staatsanleiherenditen haben für Aktieninvestoren weniger Singalwirkung als früher", sagte Eddie Perkin, Leiter Aktienanlagen bei Eaton Vance Management. "Wenn die Anleiherenditen aufgrund des Konjunkturoptimismus steigen, sollte dies für Aktien von Vorteil sein, zumal in letzter Zeit viele Rezessionsängste an den Aktienmärkten eingepreist wurden."

Wenn die Renditen weiterhin rapide steigen oder das Wirtschaftsbild übermässig rosig wird - was Spekulationen über ein Ende der Leitzinssenkungen der Zentralbank anheizen würde -, könnte die Lage für die Aktien "beängstigend" werden, sagt John Roe von Legal & General. Aber das erscheine ihm unwahrscheinlich, fügte er hinzu.

Sichere Häfen gefragt

Die moderate Positionierung der Anleger in Aktien unterstützt ebenfalls die Bullen. Obwohl der MSCI World Index im Jahr 2019 eine Rendite von 17 Prozent verzeichnete, zogen Anleger 198 Milliarden Dollar aus weltweiten Aktien ab, während 342 Milliarden Dollar in Anleihen flossen. Wegen der Besorgnis über die Handelskonflikte flüchteten Händler in sichere Häfen.

"Die Bewegung bei den Anleiherenditen ist in diesem Jahr zu weit gegangen, da wir keine Rezession erwarten", sagte Nick Peters, ein Multi-Asset-Portfoliomanager bei Fidelity International, der rund 413 Milliarden Dollar verwaltet und Aktien bevorzugt. "Infolgedessen könnten wir einen Ausverkauf bei den Anleihen sehen, ohne dass sich dies kurzfristig auf die Aktien auswirkt."

Aktien reagieren in der Regel auf starke Bewegungen bei den Anleihen. Das war zuletzt im vergangenen Monat zu beobachten, als die Inversion der Zinsstrukturkurve einen Rückzug aus risikoreicheren Vermögenswerten auslöste. Die Korrelation zwischen Anleihen und Aktien bleibt jedoch "entschieden" negativ, und höhere Renditen dürften laut J. P. Morgan für die Aktien kein Problem darstellen.

Bondrenditen spiegeln gute Wachstumsaussichten

"Höhere Renditen gehen in der Regel mit einer Verbesserung der Inflations- und Wachstumsaussichten einher", sagen J. P. Morgan-Strategen um Mislav Matejka. "Das ist in der Regel eine gute Mischung für Aktien."

Dies schafft ein Umfeld für eine Aktienrotation weg von defensiveren Bond-Proxies hin zu volatileren Aktien, die sensibler auf das Wirtschaftswachstum reagieren. Die Sektoren Finanzen und Energie haben im September kräftig zugelegt und Werte aus den Bereichen Immobilien, Gesundheitswesen und Versorger hinter sich gelassen.

Mehr zyklische Aktien

Eine am Dienstag veröffentlichte Umfrage von Bank of America ergab, dass Fondsmanager nicht davon ausgehen, dass diese Outperformance anhält. Nur 7 Prozent der befragten Anleger prognostizieren, dass Substanzwerte in den nächsten 12 Monaten die Wachstumswerte übertreffen werden.

Eaton Vance, Wells Capital Management und GW & K Investment Management gehören zu den Fonds, die in diesem Monat auf zyklische Aktien und Substanzwerte gesetzt haben. Genau wie Anleihen waren Wachstums- und Momentumaktien "zu teuer" geworden, und dies ist eine "gesunde Korrektur", sagt Dan Miller, Direktor für Aktien bei GW&K.

"Wenn sich die Wachstumserwartungen etwas verbessern und die Inflationserwartungen etwas festigen, könnte dies zu einem Umfeld führen, in dem die Renditen steigen und die Aktienmärkte immer noch stabil bleiben oder uns helfen, neue Höchststände zu erreichen", sagt Brian Jacobsen, ein Multi-Asset-Stratege bei Wells Capital Management.

(Bloomberg)