Anleger flüchten aus Geberit-Aktie

Geberit wartet mit einem ungewohnt schwachen Zahlenkranz auf. Hohe Integrationskosten verhageln das Quartal. In der Folge steht die Aktie unter starkem Verkaufsdruck.
28.04.2015 11:26
Von Lorenz Burkhalter
Die Übernahme von Sanitec sorgt bei Geberit vorübergehend für Gegenwind.
Die Übernahme von Sanitec sorgt bei Geberit vorübergehend für Gegenwind.
Bild: ZVG

(Ergänzt um Berichte aus dem Handel und den aktuellen Kurs)

Das dürfte den erfolgsverwöhnten Aktionären von Geberit so gar nicht gefallen: Trotz vergleichsweise günstigen Witterungsbedingungen fällt der Nettoumsatz in den ersten drei Monaten des Geschäftsjahres 2015 deutlich schwächer als erwartet aus. Auch auf den Stufen operativer Gewinn (EBIT) und Reingewinn werden die Konsensschätzungen zumindest leicht verfehlt.

Wie schon anlässlich der Jahresergebnispräsentation von Ende Februar zeigt sich das Sanitärtechnikunternehmen weiterhin zurückhaltend, was die diesjährige Geschäftsentwicklung anbetrifft.

An der Schweizer Börse SIX wird die Geberit-Aktie dementsprechend harsch abgestraft. Zur Stunde verliert sie 8 Prozent auf 333,90 Franken. Händler berichten von aggressiven Abgaben aus dem Ausland.

Integrationskosten für Sanitec belasten

Geht es nach dem für die Bank Vontobel tätigen Analysten, dann wurden die Konsensschätzungen verfehlt. Wie er schreibt nicht aufgrund einer enttäuschenden Geschäftsentwicklung, sondern vielmehr aufgrund übertriebener Erwartungen an die Übernahme von Sanitec. Diesbezüglich seien rückläufige Markterwartungen für die nächsten zwei Jahre unumgänglich. Bei den eigenen Prognosen sieht der Analyst allerdings nur geringen Anpassungsbedarf. Dennoch nimmt er das 360 Franken lautende Kursziel für die mit "Hold" eingestufte Aktie in negative Revision.

Auch aus Sicht seines für die Zürcher Kantonalbank tätigen Berufskollegen liegt der Zahlenkranz etwas unter den Erwartungen. Auf den Stufen operativer Gewinn (EBIT) und Reingewinn macht er vor allem höher als befürchtete Integrationskosten für Sanitec für das Verfehlen der Konsensschätzungen verantwortlich. Denn im Konsens seien diese Kosten nur teilweise berücksichtigt worden, weshalb ein Vergleich schwierig sei. Insgesamt beurteilt der Analyst den Ausweis als leicht negativ. Er stuft die Aktie unverändert nur mit "Marktgewichten" ein.

Erster Analyst wirft das Handtuch

Bei Baader Helvea ist von einem klar unter den Erwartungen liegenden Resultat die Rede. Ähnlich wie seien Berufskollegen hält er die Konsensschätzungen nicht für mit den effektiven Zahlen vergleichbar. Seines Erachtens ist die Enttäuschung vor allem auf die Integration von Sanitec zurückzuführen. Er hält sowohl an der Anlageempfehlung "Hold" als auch am Kursziel von 335 Franken fest.

Aus dem Berufshandel ist von einer ersten Herunterstufung durch die Bank Mirabaud zu hören. Der für die Privatbank zuständige Analyst senkt seine Anlageempfehlung nach der Ergebnisenttäuschung von "Accumulate" auf "Neutral" und nimmt das Kursziel in negative Revision.