Anleger sollten auf Pensionspflichten achten

Pensionsverpflichtungen europäischer Unternehmen können zum Thema an der Börse werden. Eine Bank nennt bekannte Firmen, bei welchen diese Verpflichtungen ein Mehrfaches des Börsenwerts betragen.
26.01.2016 09:33
Von Lorenz Burkhalter
Der Citigroup zufolge weist Sulzer unter den Schweizer Firmen die höchsten Pensionsverpflichtungen auf.
Der Citigroup zufolge weist Sulzer unter den Schweizer Firmen die höchsten Pensionsverpflichtungen auf.
Bild: ZVG

Auch in Europa schieben viele börsenkotierte Unternehmen latente Pensionsverpflichtungen vor sich her. Da es sich um Eventualverpflichtungen handelt, fliessen diese nicht in die Erfolgsrechnung - noch nicht. Denn irgendwann werden die betroffenen Firmen für diese geradestehen müssen.

Die Citigroup ist eine der wenigen Banken, welche sich dieser Problematik bewusst ist. Einmal im Quartal veröffentlicht die amerikanische Grossbank Statistiken für Europa. Die gute Nachricht zuerst: Der Citigroup zufolge haben sich die Pensionsverpflichtungen im vergangenen Jahr weitestgehend stabil entwickelt. Allerdings dürfte der Rückschlag an den Aktienmärkten der letzten Wochen nicht ohne Folgen geblieben sein.

Im Vergleich mit der Börsenkapitalisierung schneidet die britische FirstGroup per Ende Dezember am schlechtesten ab. Ihre Pensionsverpflichtungen liegen bei sehr hohen 429 Prozent der Börsenkapitalisierung. Doch auch beim Automobilhersteller Fiat Chrysler (362 Prozent), beim Stromkonzern RWE (357 Prozent), der Lufthansa (291 Prozent) oder den beiden britischen Firmen Go-Ahead Group (291 Prozent) und Carillion (239 Prozent) ist die latente Last geradezu erdrückend.

Auch Schweizer Firmen betroffen

Auch erwähnt wird Philips mit Eventualverpflichtungen von 128 Prozent des Börsenwerts. Erwähnenswert: Der niederländische Elektronikkonzern weist für das vierte Quartal einen Verlust aus und macht Kosten für Pensionsverpflichtungen als Hauptursache verantwortlich. Das könnte Schule machen.

Verhältnismässig gut stehen die in diesem Zusammenhang erwähnten Schweizer Unternehmen da. Beim Industriekonzern Sulzer errechnet die Citigroup Pensionsverpflichtungen im Umfang von 76 Prozent der Börsenkapitalisierung, gefolgt vom Versicherer Bâloise (61 Prozent) sowie der Credit Suisse (56 Prozent).

Die Grossbank besteht allerdings darauf, dass es sich bei den ausgewiesenen Verpflichtungen um Bruttozahlen handelt und nur die wenigsten Firmen Zahlen nach Abzug möglicher verrechenbarer Steuervorteile kommunizieren. Ausserdem würden die Verpflichtungen in Abhängigkeit von den Zinsen, der Teuerungsrate, der Lebenserwartungen und den zu erwartenden zukünftigen Ertragsmöglichkeiten starken Schwankungen unterliegen, so der Tenor.

Allen diesen Ungenauigkeiten zum Trotz könnte das Thema latente Pensionsverpflichtungen an Brisanz gewinnen. Insbesondere dann, wenn sich der Ausverkauf an den europäischen Börsen fortsetzt und die Eventualverpflichtungen dadurch weiter wachsen.