Sorgen über die steigende Staatsverschuldung haben die Anleiherenditen weltweit auf jahrzehntelange Höchststände getrieben. Sie haben die Aktienmärkte ‌am Dienstag belastet und zogen auch Mittwoch die Asien-Börsen ⁠in Mitleidenschaft

Die Renditen wichtiger Staatsanleihen etwa aus den USA, Deutschland und Japan kletterten am ‌Dienstag ⁠rund um den Globus auf den höchsten Stand seit Jahrzehnten. Hintergrund sind Inflationssorgen angesichts hoher ⁠Ölpreise und Bedenken wegen hoher Schuldenstände einiger grosser Volkswirtschaften.

In den USA, dem wichtigsten Anleihemarkt der Welt, ‌erreichten die Renditen 30-jähriger Papiere mit 5,321 Prozent den ‌höchsten Stand seit 2007. In Deutschland kletterte ​die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen auf 3,248 Prozent, den höchsten Stand seit 2011. In Japan waren es bei zehnjährigen Anleihen knapp drei Prozent - so viel wie seit drei Jahrzehnten nicht mehr.

Für Kjersti Haugland, Chefökonomin der Investmentbank DNB Carnegie, treten die Anleihemärkte gar in eine neue ‌Ära ein. Es ende die Phase niedriger Zinsen und vergleichsweise niedriger Inflation nach der globalen Finanzkrise von 2008. «Dies fällt mit der sehr hohen Staatsverschuldung in vielen Ländern zusammen, insbesondere in ​Japan, den USA, Frankreich und Grossbritannien.»

Der Ausverkauf wirkt sich auf ​die gesamte Wirtschaft aus, da Staatsanleihen den Referenzwert ​für die Kreditkosten von Unternehmen und Immobilien bilden. Höhere Kreditzinsen wiederum erschweren Finanzierungen und drohen, das Wirtschaftswachstum ‌zu bremsen.

Die Rendite besonders stark nachgefragter zehnjähriger US-Staatsanleihen liegt aktuell bei 4,74 Prozent und nähert sich damit der psychologisch wichtigen Fünf-Prozent-Marke. «Dies wird nicht nur für die Anleihemärkte, sondern auch für andere ​Finanzanlagen ​sehr wichtig sein, da jeder Ausbruch nach ⁠oben wahrscheinlich das Vertrauen untergraben wird», sagte Guy Miller, ​Chef-Marktstratege beim Versicherer Zurich.

Der Swiss Market Index ist wegen seiner defensiven Ausrichtung nicht dermassen betroffen von der Unruhe an den Märkten. Am Dienstag legte er gar 0,13 Prozent zu.

(Reuters/cash)