Die Auswirkungen von Dieselkosten auf die Transportausgaben unterscheiden sich von denen bei Benzin, erklärte Torsten Slok, Chefvolkswirt bei Apollo Global Management, einem der grössten Manager für alternative Anlagen an der Wall Street. Die Nachfrage bei Diesel sei äusserst unelastisch, da der Gütertransport für unterschiedlichste Bereiche - von Lieferketten im Einzelhandel bis hin zum Ausbau von Rechenzentren – unerlässlich sei. Preiserhöhungen würden daher letztlich an Unternehmen und Verbraucher weitergegeben.

«Wenn die Dieselpreise steigen, schlägt sich dies an einer anderen Stelle des Verbraucherpreisindex nieder als lediglich in der Kategorie Energie», führte Slok am vergangenen Freitag auf Bloomberg TV aus. Der Apollo-Experte knüpfte damit an ein Argument an, das er bereits in einer Kundennotiz ein paar Tage zuvor dargelegt hatte.

Der herkömmliche Fokus auf die Kerninflation - bei der Lebensmittel- und Energiepreise ausgeklammert werden – greife bei einem so wichtigen Kraftstoff wie Diesel zu kurz. «Der Anstieg der Dieselpreise beschränkt sich nicht auf die Energiekomponente des VPI, sondern wirkt sich mit zeitlicher Verzögerung auch auf die Preise für Kernwaren und -dienstleistungen aus; genau diese Art der Weitergabe kann die Fed nicht einfach als vorübergehend abtun», schrieb Slok.

Die Art des durch Diesel verursachten Preisdrucks ist von entscheidender Bedeutung, während die Fed ihren geldpolitischen Kurs nach der ersten Zinserhöhung seit 2023 festlegt und die Inflation weiterhin deutlich über dem Zielwert der Zentralbank von 2 Prozent liegt. Da die sogenannte Kerninflation Energiepreise ausklammert, argumentierte Slok am Freitag, dass die Fed den Anstieg der Dieselpreise aufgrund der Ausstrahlungseffekte auf die Kernkategorien nicht als vorübergehendes Phänomen abtun könne.

Aus dem Protokoll der Sitzung des Offenmarktausschusses (FOMC) vom Juli ging hervor, dass die meisten Teilnehmer davon ausgingen, dass «frühere Energiepreisanstiege» nachlassen und somit dazu beitragen würden, die Inflation im weiteren Jahresverlauf zu dämpfen. Doch in dieser Woche – im Anschluss an die Zinserhöhung der Fed vom 16. September – warnte Austan Goolsbee, Präsident der Chicago Fed, die Zentralbank könne wiederholte und anhaltende Angebotsschocks nicht ignorieren. «Sobald sich inflationswirksame Angebotsschocks verfestigen, greift die Logik, sie einfach zu ignorieren, nicht mehr», sagte er.

Während steigende Benzinpreise Autofahrer belasten – nachdem der US-Konflikt mit dem Iran die Rohöllieferungen aus dem Persischen Golf beeinträchtigt hat –, sehen sich Dieselnutzer an der Zapfsäule einem noch drastischeren Preisschock gegenüber. Der durchschnittliche Preis für Diesel in den USA ist in diesem Jahr bis Donnerstag um 83 Prozent auf 6,50 US-Dollar pro Gallone in die Höhe geschnellt, während der Benzinpreis um 59 Prozent zulegte.

Der Chefökonom von Apollo identifizierte den Investitionsboom im Bereich der künstlichen Intelligenz als Hauptgrund dafür, dass sich die Wirtschaft trotz höherer Zinsen als widerstandsfähig erwiesen hat; er schätzt, dass KI-bezogene Aktivitäten derzeit rund einen Prozentpunkt zum BIP-Wachstum beisteuern. Dies mache etwa die Hälfte des gesamten Wachstums aus – getrieben durch den Bau von Rechenzentren, den Energiebedarf, Ausgaben für Software sowie den Vermögenseffekt infolge gestiegener Aktienkurse.

Er skizzierte ein Szenario, in dem die Federal Reserve insgeheim darauf hofft, dass eine Beilegung des Iran-Konflikts den Druck auf die Energiepreise verringert und der Zentralbank so weitere Zinserhöhungen erspart. Ein solches Ergebnis sei derzeit «der letzte verzweifelte Hoffnungsschimmer».

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