Arbeit - US-Bankchefs wollen ins Büro zurück - die Belegschaft sträubt sich aber

Für Bankenchefs ist die Sache klar: Die Arbeit ausserhalb des Büros sollte bald der Vergangenheit angehören. Angestellte sind da anderer Meinung.
05.05.2021 06:00
Eine Angestellte im Homeoffice.
Eine Angestellte im Homeoffice.
Bild: imago images / Cavan Images

Eine von Accenture durchgeführte Umfrage unter 400 nordamerikanischen Führungskräften aus dem Finanzdienstleistungssektor ergab, dass fast 80 Prozent es vorziehen würden, wenn ihre Mitarbeiter vier bis fünf Tage die Woche im Büro verbringen, sobald die Pandemie vorbei ist. Die Mehrheit ist der Auffassung, dass Telearbeit es erschwert, jüngere Leute auszubilden und ausserdem der Unternehmenskultur schadet.

Es gibt da nur ein Problem: Viele Mitarbeiter wollen ihre Flexibilität bewahren, nachdem sie bewiesen haben, dass sie von zu Hause aus produktiv sein können, sagen Führungskräfte von Accenture.

“Da gibt es einmal die leitenden Angestellten, die in ihren Büros sassen und niemand war für sie da”, sagt Laurie McGraw, die das Capital-Markets-Team von Accenture in Nordamerika leitet. “Dann gibt es die Berufseinsteiger, die sich nach persönlicher Interaktion sehnen, weil sie noch öfter an die Hand genommen werden müssen. Und dann ist da noch die grosse Mitte, die ganz zufrieden damit ist, zu Hause zu sein.”

Nach mehr als einem Jahr der Arbeit im Homeoffice werden in den USA die Pläne für die Rückkehr ins Büro dank Impfungen und einer Wiederbelebung der Städte konkreter. Letzte Woche war JPMorgan Chase die erste grosse Bank, die ihren Mitarbeitern auftrug, in den kommenden Monaten ins Büro zurückzukehren. Goldman Sachs will den Mitarbeitern mitteilen, dass sie bis Mitte Juni darauf vorbereitet sein sollten, wieder vom Büro aus zu arbeiten, berichten informierte Personen.

Aber der Versuch, die Büros wieder zu füllen, wird einigen Bankern sauer aufstoßen, vor allem, da er auf ein Jahr folgt, in dem sie Rekordgewinne für ihre Firmen einfuhren. Viele Mitarbeiter haben wenig Lust wieder langwierige Pendelfahrten zu ertragen, nachdem sie daheim so produktiv waren. Viele werden sich gegen eine Vollzeit-Rückkehr wehren, meint Rob Dicks, der bei Accenture für Personalfragen im Bereich Capital Markets zuständig ist.

"Die Banken müssen zunächst das 'Warum' erklären können, bevor darüber reden können", so Dicks.

Frauen spielen wichtige Rolle

Flexibilität könnte ein Schlüssel dafür sein, einen wichtigen Teil der Belegschaft zu halten: Frauen. In einer separaten Umfrage unter 500 Frauen in den USA, die in der Finanzbranche arbeiten, fand Accenture heraus, dass 29 Prozent ihren Arbeitsplatz während der Pandemie entweder vorübergehend oder dauerhaft aufgegeben haben. Weitere 34 Prozent erwägen, ihr Unternehmen zu verlassen.

Das ist ein Rückschlag für die männerdominierte Branche, die sich seit langem auf die Förderung und Bindung von Frauen als Teil ihrer Bemühungen um Diversität konzentriert.

“Wir haben herausgefunden, dass das einzige Element, das die meisten Unternehmen anbieten können, um Frauen zu halten, die Flexibilität der Arbeitszeiten ist”, so McGraw. “Ich denke also, wenn Unternehmen das wirklich bieten, werden sie in der Lage sein, die Frauen zu halten, die nicht gegangen sind, und die Frauen zurückzuholen, die sie dringend brauchen.”

Die Wünsche der Bosse und ihre tatsächlichen Erwartungen laufen an einem Punkt erkennbar auseinander: Wenn es um Büroflächen geht. Sie mögen die Angestellten lieber vor Ort haben - doch fast zwei Drittel der von Accenture befragten Manager planen zugleich, ihre Bürofläche in den kommenden neun Monaten um 11 Prozent bis 40 Prozent zu reduzieren.

Mehr als die Hälfte planen einige Beschäftige an neue, günstigere Standorte zu verlegen, und 9 Prozent könnten ihre Zentrale in einem wesentlichen Markt sogar schliessen; mehr als ein Fünftel sogar beides.

(Bloomberg)