Archegos und Greensill - Milliardendebakel vernichten Gewinne durch gute CS-Geschäfte im ersten Quartal

Die Credit Suisse schreibt wegen der Verluste mit Archegos und Greensill deutlich rote Zahlen. Analysten kritisieren aber auch die Ausgabe von Pflichtwandelanleihen zur Stärkung der zerrütteten Kapitalbasis.
22.04.2021 10:17
Von Marc Forster
In der Kritik: CS-Verwaltungsratspräsident Urs Rohner.
In der Kritik: CS-Verwaltungsratspräsident Urs Rohner.
Bild: Bloomberg

Eine Stunde nach Handelseröffnung an der Schweizer Börse steht die Aktie der Credit Suisse um 4,8 Prozent im Minus. Der SMI selber legt um 0,2 Prozent zu. 

Bei einem Kurs von 8,93 Franken ist der Preis gar unter 9 Franken gefallen. Das Minus seit Anfang Jahr belauft sich auf fast 22 Prozent. Die UBS hat in der gleichen Zeit an der Börse 12 Prozent zugelegt. 

Die Kritik des von Urs Rohner und Thomas Gottstein geführten Bankenkonzerns nach einem hohen publizierten Verlust ist deutlich. Der US-Sender CNBC zitiert Octavio Marenzi, Chef der Beratungsfirma Opimas, wie folgt: "Es ist solch eine Schande - die CS-Investmentbanksparte war dabei, eine ihrer besten Quartal seit jeher vorzulegen, bevor die Belastungen durch Archegos kamen." Ansonsten wäre das erste Quartal für die CS ein starkes gewesen.

Details zum Erstquartalsresultat der CS finden sich hier.

Vor allem Asien-Pazifik performte stark und Neugeld floss reichlich. Die Kosten, ein wichtiges Thema bei der CS, konnten gesenkt werden. Zudem dürfte der Verlust durch Archegos der Bank bei den Steuern nützen. "Ein Quartal, das eigentlich von unerwartet stark sprudelnden Erträgen und Neugeld getrieben war, in dem also eigentlich alle Ampeln auf grün standen, wurde durch zwei individuelle Schadensfälle total ausradiert", schreibt die Zürcher Kantonalbank (ZKB). 

Es müsse sich zudem zeigen, ob und wie die Kunden auf die Schlagzeilen des verflossenen Quartals reagierten, so der ZKB-Kommentar. So lange es der Bank nicht gelinge, diese "Asymmetrie" zu beseitigen, stimme für Investoren das Chance-Risiko-Profil nicht. ZKB-Analyst Michael Kunz  belässt die Einstufung der Aktie bei "Marktgewichten". 

«Kapitalmassnahmen helfen auch nicht»

Kritisch sehen die Analysten auch die Erhöhung des Kapitals mit zwei Pflichtwandelanleihen, welch die Bank als Reaktion auf die Verluste und Abschreibungen begeben will. "Die häufigen Richtungswechsel bei Kapitalmassnahmen helfen auch nicht." Die Kapitalerhöhung sei enttäuschend und führe zu einer Gewinn-Verwässerung, erklärten ihrerseits die Analysten der Citigroup. Die beiden Anleihen sollen die CET1-Quote um 60 Basispunkte erhöhen. 

Mit Material der Nachrichtenagentur Reuters.