Art Basel - Kunst ist so erschwinglich wie schon lange nicht mehr

An der Art Basel werden auch dieses Jahr wieder horrende Summen für Kunstobjekte bezahlt. Doch auf dem Schweizer Kunstmarkt sind die Preise teils deutlich zurückgegangen, das eine oder andere Schnäppchen liegt drin.
11.06.2019 11:10
Von Vanessa Sadecki, «Sonntagsblick»
«Die Borromeo-Inseln» (Bildausschnitt) von Johann Heinrich Bleuler: Sogenannte Helvetica-Kunst ist heute bereits ab 1000 Franken erhältlich.
«Die Borromeo-Inseln» (Bildausschnitt) von Johann Heinrich Bleuler: Sogenannte Helvetica-Kunst ist heute bereits ab 1000 Franken erhältlich.
Bild: ZVG

Ein Heuhaufen-Gemälde von Claude Monet für 110,7 Millionen Dollar oder ein stählernes Luftballon-Kaninchen von Jeff Koons für 91,1 Millionen Dollar: Jedes Jahr meldet der internationale Kunstmarkt neue Preisrekorde. Wenn die Art Basel am Donnerstag auch für das breite Publikum ihre Tore öffnet, werden wieder zeitgenössische Werke in Millionenhöhe den Besitzer wechseln. So zahlte ein Käufer an der letztjährigen Messe für das Gemälde "Composition" der Amerikanerin Joan Mitchell (1925– 1992) 14 Millionen Dollar.

Bei diesen Summen platzt der Traum vieler Kunstliebhaber vom Meisterwerk an der eigenen Wohnzimmerwand. Doch wer bereit ist, lokal statt global zu denken, kann momentan auf dem Schweizer Kunstmarkt das eine oder andere Schnäppchen machen.

"Auf dem Markt für klassische Schweizer Kunst findet seit der Finanzkrise eine Preiskorrektur statt", sagt Kunstexperte Thomas Boller. "Teilweise zahlt man drei Mal weniger als noch vor zehn Jahren". Cyril Koller vom gleichnamigen Zürcher Auktionshaus bestätigt diesen Eindruck: "Regionale Werke zu verkaufen, ist in den letzten Jahren schwieriger geworden. Weniger bekannte Künstler haben einen schweren Stand."

Im unteren Preissegment sind laut Boller vor allem kolorierte Stiche aus dem 19. Jahrhundert zu haben. Die Bilder, häufig Landschaftsansichten, kann man ab 1000 bis 3000 Franken kaufen. Johann Heinrich Bleuler ist einer der bekanntesten Vertreter dieser sogenannten Helvetica-Kunst. Noch vor 30 Jahren hätte man laut Boller für solche Arbeiten bis zu 15'000 Franken hinblättern müssen.

Markt für klassische Schweizer Kunst war schon immer klein

Im mittleren Preissegment sind Investoren mit dem Zürcher Maler Max Gubler gut beraten. Dessen farbenprächtige Werke werden laut Boller jetzt zwischen 5000 und 10'000 Franken gehandelt. Zu Zeiten, als Gubler noch gross im Zürcher Kunsthaus und anderen Schweizer Museen ausgestellt war, wären Käufer nicht um einen fünfstelligen Betrag herumgekommen. Wer für das gleiche Geld zeitgenössische Schweizer Kunst bevorzugt, kann bei Künstlern wie Rolf Iseli oder Peter Somm fündig werden.

Der Preisrückgang betrifft auch grosse Namen der Schweizer Kunst. So erzielte das Gemälde "Blick über Capolago auf den Silsersee" von Giovanni Giacometti im Mai 2008 bei Sotheby’s Zürich 1,3 Millionen Schweizer Franken. Das gleiche Gemälde würde heute nach Bol-lers Schätzung nur bei 500'000 bis 800'000 Schweizer Franken angesetzt werden. Einzig Schweizer Künstler mit internationaler Strahlkraft wie Giovanni Segantini, Ferdinand Hodler, Alberto und Diego Giacometti oder Albert Anker sind laut Boller nicht oder weniger vom Preisrückgang betroffen.

Die Gründe für den Preisrutsch bei lokaler klassischer Kunst sind vielfältig. "Vielleicht liegt es auch daran, dass sich der obere Mittelstand nicht so viel leisten kann oder will, wie es vor zehn bis zwanzig Jahren der Fall war", sagt Auktionator Koller. Für den Kunstexperten Boller steht der Generationenwechsel im Vordergrund. Der Markt für klassische Schweizer Kunst sei schon immer klein gewesen: Es komme vor, dass nur drei oder vier Sammler bei einem Künstler über Jahre den Preis bestimmen. "Fallen diese Auktionsbieter durch ihren Tod oder die Aufgabe der Sammelleidenschaft aus, so fällt der Preis über Nacht ein."

Boller sieht den Wandel aber nicht nur negativ: "Es ist besonders für junge Sammler eine gute Zeit, in den nationalen Kunstmarkt einzusteigen – und eine schöne Alternative zur Art Basel."

Dieser Artikel erschien zuerst im "Sonntagsblick" mit dem Titel "Die Preise für Kunst sind im Keller".