Artemis-Gruppe - Michael Pieper wartet geduldig an der Seitenlinie

Seit seinem Arbonia-Coup Ende 2014 hat der milliardenschwere Investor Michael Pieper an der Börse keine grossen Beteiligungen mehr gekauft. Das heisst aber nicht, dass er untätig ist, wie er im cash-Video-Interview sagt.
30.05.2017 15:17
Von Daniel Hügli
Michael Pieper, CEO der Artemis-Gruppe, im cash-Video-Interview.
Bild: cash

Der Industrielle und Investor Michael Pieper hat in den letzten Jahren namhafte Beteiligungen an börsenkotierten Schweizer Firmen aufgebaut. So bei Arbonia (Anteil von 22 Prozent), Rieter (12 Prozent), Autoneum (20 Prozent), Adval Tech (21 Prozent) und Forbo (30 Prozent). Bei Feintool ist es die Mehrheit (51 Prozent).

Doch seit Dezember 2014, als Pieper überraschend beim Krisenunternehmen Arbonia einstieg, wartet die Schweizer Börsenwelt auf weitere Schritte des Investors, dessen Vermögen auf rund 3 Milliarden Franken geschätzt wird. Allein seine Beteiligungen an den börsenkotierten Schweizer Unternehmen haben einen Wert von 1,9 Milliarden Franken. 

An der Jahresmedienkonferenz der Artemis-Gruppe, in der Pieper seine umfangreichen Tätigkeiten gebündelt hat, liess Pieper am Dienstag folgendes durchblicken: Er wartet eher auf bessere, das heisst tiefere Aktienkurse, bis er an der zuletzt stark gestiegenen Börse wieder zuschlägt. Sei es, um einen neuen Anteil an einem Unternehmen zu kaufen oder um bisherige Beteiligungen aufzustocken.

"Die Bewertungen sind hoch", sagt Pieper im cash-Video-Interview am Dienstag in Zürich. "Allerdings gibt es zehn Firmen, die wir permament anschauen". Untätig ist Pieper und sein Team nicht, wie er gegenüber cash verrät. Bei einer Firma, "die für uns interessant gewesen wäre und die auch eine gewisse Dimension hat", habe man schliesslich von einer Beteiligung abgesehen - weil der Aktienkurs zu heftig nach oben geschnellt sei.

"Bei einer zweiten Firma, die wir sehr eng am Anschauen sind, haben wir in ein paar Monaten wieder eine Sitzung“, erklärt Pieper seine Pläne. Und bei einem dritten Unternehmen sei man in diesem Jahr mit einem Deal gescheitert.

Artemis mit Umsatz- und Gewinnanstieg

Der Aktienkurs eines Unternehmens und die Aktienbewertung ist für Pieper allerdings nicht matchentscheidend für einen Einstieg. Er liebt Firmen, die in Schwierigkeiten stecken und die er wieder fit trimmen kann. Meistens sind diese Firmen bei Investoren nicht erste Wahl, was sich in einer bescheidenen Aktienkursentwicklung äussert. So verlor die Aktie von Arbonia im Verlauf des Jahres 2014 bis zu Piepers Einstieg rund einen Drittel ihres Wertes.

Piepers Beteiligungen an börsenkotierten Unternehmen sind nur ein Teil seines Imperiums in der Artemis-Gruppe. Das Herzstück ist der Aargauer Küchen- und WC-Ausrüster Franke, der rund 9000 Mitarbeitende beschäftigt. Zur Artemis-Gruppe gehören fast 83 Gesellschaften.

Artemis verzeichnete im letzten Jahr einen Umsatzanstieg um 7,7 Prozent auf 2,7 Milliarden Franken, nachdem 2015 noch ein Rückgang um fast 6 Prozent zu registrieren war. Getragen wurde der Aufschwung vor allem durch Franke und Feintool. Organisch stieg das Wachstum der Gruppe im 2016 um 8,6 Prozent. Der Betriebsgewinn (EBIT) wuchs 3,8 Prozent auf 202 Millionen Franken.

Der Reingewinn verbesserte sich im Vorjahresvergleich um 11 Prozent auf 206,7 Millionen Franken. Auch im ersten Quartal 2017 ging es positiv weiter. Der Artemis-Umsatz stieg um 5,7 Prozent. Am meisten Umsatz generiert die Gruppe in den USA (26 Prozent), gefolgt von Deutschland (18 Prozent) und der Schweiz (7 Prozent). 

Für den Verlauf der Börsen ist Pieper "eher zuversichtlich", wobei er einen zwischenzeitlichen "Chlapf" durchaus für möglich hält. Inbesondere für die US-Börsen ist Pieper weiterhin "postiv eingestellt", da Donald Trump doch einiges bewege.

Im cash-Video-Interview äussert sich Michael Pieper auch zum Kursverlauf des Schweizer Frankens und zu möglichen IPO-Überlegungen für Artemis oder Franke.