Südkoreanische Lkw-Fahrer setzen mit ihrem seit Tagen anhaltenden Streik wegen hoher Benzinkosten die weltweit ohnehin belasteten Lieferketten unter Druck. Am Hafen von Busan - an dem 80 Prozent des Schiffsladungen der Exportnation abgewickelt werden - sank der Containerverkehr am Freitag auf ein Drittel des normalen Niveaus. Im Incheon waren es am vierten Streiktag in Folge sogar nur 20 Prozent, während im Hafen des Industriezentrums Ulsan der Containerverkehr vollständig zum Erliegen kam. Die Produktion in der grössten Fabrik des Autobauers Hyundai hatte sich zuvor bereits halbiert, während andere Konzerne wie der Stahlriese Posco über Lieferstopps klagten.

Die Gewerkschaften nehmen nun auch die Chip-Industrie ins Visier. Die Lieferung von Rohstoffen für die Produktion von Halbleiter, die in Ulsan hergestellt werden, solle gestoppt werde, sagte Gewerkschaftsfunktionär Park Jeong-tae der Nachrichtenagentur Reuters. Die Chiphersteller Samsung Electronics und SK Hynix wollten sich dazu auch Nachfrage nicht äussern.

Chips sind Mangelware

Südkorea ist international stark vernetzt dank weltweit agierender Konzerne wie Samsung und ein wichtiger Lieferant von Halbleitern, Smartphones, Autos, Batterien und Elektronikartikeln. Die globalen Lieferketten sind nach wochenlangen Lockdowns in chinesischen Städten wie China ohnehin angespannt. Chips sind derzeit weltweit Mangelware, worunter etwa auch die deutschen Autobauer leiden. Der Verband der südkoreanischen Automobilindustrie bezeichnete den Streik als "extrem egoistisch".

Dem Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) zufolge könnten die Störungen in Südkorea auch in Deutschland zu spüren sein. "Für Deutschlands Wirtschaft spielt Südkorea zwar im Vergleich zu dem grossen Nachbarn China in der zweiten Liga", sagte IfW-Handelsforscher Vincent Stamer zu Reuters. "Das Land ist aber ausserhalb des geografischen Europas der fünftwichtigste Handelspartner Deutschlands und damit sogar wichtiger als Mexiko oder Kanada." Insbesondere im Elektronikbereich sei das Land sehr gut in globale Lieferketten integriert und habe dadurch eine Bedeutung für Deutschland.

Etwa 35 Prozent der Mitglieder der Fahrer-Gewerkschaft beteiligten sich an dem Streik, was dem Verkehrsministerium zufolge etwa 7500 Beschäftigten entspreche. Die Regierung schätzt, dass etwa sechs Prozent der 420'000 Lkw-Fahrer des Landes einer Gewerkschaft angehören. Die Streikenden fordern angesichts der stark gestiegenen Kraftstoffpreise höhere Löhne. Präsident Yoon Seok Yeol warnte die Streikenden vor Gewalt.

(Reuters)