Asien-Turbulenzen nagen an Schweizer Banken

Nach goldenen Jahren in Asien droht den Schweizer Banken aufgrund der jüngsten Turbulenzen Ungemach. Für eine Aktie spricht die Deutsche Bank deshalb nun sogar eine Verkaufsempfehlung aus.
15.09.2015 08:13
Von Lorenz Burkhalter
Ist gemäss Deutsche Bank besonders stark von den Asien-Turbulenzen betroffen: Die Zürcher Traditionsbank Julius Bär.
Ist gemäss Deutsche Bank besonders stark von den Asien-Turbulenzen betroffen: Die Zürcher Traditionsbank Julius Bär.
Bild: Bloomberg

In den letzten Jahren schien Asien für die Schweizer Banken eine schier unversiegbare Wachstumsquelle. Verständlicherweise haben viele von ihnen die Präsenz in den asiatischen Metropolen kräftig ausgebaut. Im Zuge der jüngsten Turbulenzen könnte den Banken das aber zum Verhängnis werden.

Das befürchten zumindest Analysten der Deutschen Bank. Und die müsste es ja eigentlich wissen, verfügt sie doch selber über eine stark ausgebaute Stellung in dieser Region.

Selbst ohne richtige Krise rechnet der für das deutsche Bankinstitut tätige Analyst mit einer deutlichen Verlangsamung der Vermögensbildung in diesen Ländern. Das wiederum werde bei Credit Suisse, UBS und Julius Bär auf die zukünftige Gewinnentwicklung drücken, so ist er sich sicher.

Rückläufige Erträge treffen auf hohe Fixkosten

Aus diesem Grund stuft der Analyst die Aktie der UBS von "Kaufen" auf "Halten" herunter. Mit einer Abwärtsrevision der nächstjährigen Gewinnschätzungen um 7 Prozent kommt die Grossbank noch vergleichsweise gut weg. Das Kursziel wird neu mit 21 (von 23) Franken angegeben.

Weiterhin mit "Halten" wird die Aktie der Erzrivalin Credit Suisse eingeschätzt. Nach einer Reduktion der Gewinnschätzungen für das kommende Jahr um 10 Prozent lautet das Kursziel neu 27 (31) Franken. Verlierer ist die Aktie von Julius Bär, welche sogar von "Halten" auf "Verkaufen" heruntergestuft wird. Nach einer Abwärtsrevision der Gewinnschätzungen für die kommenden Jahre um bis zu 18 Prozent errechnet man bei der Deutschen Bank noch ein Kursziel von 44 (51) Franken.

Trotz eines Rückschlags um 15 Prozent seit Mitte August verfügt die Aktie von Julius Bär noch immer über Raum für tiefere Kurse. Mit leicht höheren Kursen rechnet der Experte hingegen bei den Valoren von UBS und Credit Suisse. Doch auch diese beiden notieren gut 10 Prozent unter den bisherigen Jahreshöchstkursen.

Werden weitere Schätzungsreduktionen folgen?

Dem Analysten zufolge sind die Schwellenländer bei den Schweizer Banken mittlerweile für gut die Hälfte der verwalteten Kundenvermögen im Wealth Management verantwortlich. Ein beachtlicher Anteil davon entfalle auf Kunden aus dem asiatischen Raum.

Aufgrund der gleichzeitig hohen Fixkostenbasis werde die Wachstumsverlangsamung beim Nettoneugeld die zukünftige Gewinnentwicklung genauso treffen wie die geringeren Aktivitäten. Beides werde sich in Form tieferer Bruttomargen bemerkbar machen, so der Experte weiter. Bei UBS und Credit Suisse rechnet er zudem mit negativen Folgen für den Aktienhandel sowie für den Handel mit Festverzinslichen, Devisen und Rohstoffen (FICC).

Die Deutsche Bank ist bislang die erste Bank, die vor den Folgen der Turbulenzen in Asien und anderen Schwellenländern auf die Gewinnentwicklung der Schweizer Banken warnt. Gut möglich, dass andere Berufskollegen dem Beispiel des Analysten folgen und ihre Schätzungen nach unten nehmen werden. Das wiederum dürfte die Kursentwicklung der Aktien von Credit Suisse, UBS und Julius Bär vorübergehend beeinträchtigen.