Der britische Pharmakonzern AstraZeneca und der US-Konkurrent Bristol Myers Squibb haben Insidern zufolge Gespräche über einen möglichen Zusammenschluss ‌geführt. ⁠Damit würde einer der weltweit grössten Pharmakonzerne mit einem gemeinsamen Börsenwert von ⁠knapp 400 Milliarden Dollar (rund 345 Milliarden Euro) entstehen, sagte eine mit der Angelegenheit vertraute ‌Person der Nachrichtenagentur Reuters am Montag. Ob die ‌Gespräche noch andauern, blieb zunächst unklar. AstraZeneca ​lehnte eine Stellungnahme ab, Bristol Myers Squibb war für einen Kommentar zunächst nicht zu erreichen.

Ein Abschluss dürfte auf erhebliche kartellrechtliche Hürden stossen. Dem Insider zufolge gibt es Bedenken, wie die US-Wettbewerbsbehörden unter der Regierung von US-Präsident Donald ‌Trump die Transaktion bewerten könnten. Trump legt den Fokus auf heimische Investitionen und den Ausbau der US-Produktion. Bei einer Fusion würde faktisch ein britisches Unternehmen ​einen grossen US-Pharmakonzern übernehmen. Zudem überschneiden sich die Portfolios ​beider Firmen stark: Sowohl AstraZeneca als auch ​Bristol Myers Squibb erzielen einen Grossteil ihrer Umsätze mit Krebsmedikamenten, die teilweise direkt miteinander konkurrieren.

Für ‌Bristol Myers Squibb könnte ein Zusammenschluss strategisch sinnvoll sein, da das Unternehmen in den kommenden Jahren mit massiven Umsatzeinbrüchen rechnen muss. Der Patentschutz für wichtige ​Medikamente ​wie das Krebsmittel Opdivo und den ⁠Blutverdünner Eliquis könnte bis 2028 auslaufen. AstraZeneca-Chef Pascal ​Soriot treibt derweil ⁠die Ausrichtung auf den US-Markt voran. Der Konzern, das nach Marktkapitalisierung zweitwertvollste börsennotierte ‌Unternehmen Grossbritanniens, hatte erst im Juni seine Notierung in New York aufgewertet. Dies galt als Rückschlag für den Finanzplatz London. AstraZeneca ‌kommt aktuell auf einen Börsenwert von rund 196 Milliarden ​Pfund (rund 264 Milliarden Dollar), Bristol Myers Squibb auf rund 133 Milliarden Dollar. 

(Reuters)