Audi-Chef Gernot ‌Döllner ⁠kündigte die Einsparungsabsichten am Donnerstag auf der Betriebsversammlung in Neckarsulm an. Die ⁠Autoindustrie befinde sich in einem fundamentalen Umbruch. «Darauf müssen wir reagieren - und zwar jetzt.» Alexander Reinhart, Betriebsratschef in ‌Neckarsulm, sagte, derzeit laufe die Überprüfung, ob die Voraussetzungen ‌gegeben seien, um die Schlechtwetterklausel zu ziehen. «Wenn ​alle Hausaufgaben gemacht sind, sind wir als Betriebsrat bereit, in weitere Gespräche im Sinne der Zukunftsperspektive unseres Standorts und der Marke Audi einzusteigen.»

Erst im März 2025 hatte sich Audi mit dem Betriebsrat auf den Abbau von 7500 Arbeitsplätzen geeinigt. Im ‌Gegenzug sagte das Management eine Beschäftigungssicherung bis Ende 2033, Investitionen und die Produktion eines neuen volumenstarken Elektroautos in Neckarsulm zu. Die Vereinbarung enthält eine Schlechtwetterklausel, die besagt, dass ​Betriebsrat und Unternehmen in wirtschaftlich schwierigen Zeiten Gespräche aufnehmen.

Auch Volkswagen-Konzernchef Oliver ​Blume stellte sich der Belegschaft in dem Werk. ​Er hat dem Wolfsburger Autokonzern zuletzt einen verschärften Sparkurs verordnet und will die Rendite bis 2030 auf ‌neun Prozent steigern, unter anderem mit einem Stellenabbau. Rechnerisch liege der Anpassungsbedarf bei 50.000 Stellen, sagte er laut Redetext. Zugleich sollen Überkapazitäten reduziert werden. Die Produktion in ​vier ​Werken in Deutschland steht auf dem Prüfstand, ⁠unter anderem in Neckarsulm. Dort werden derzeit ausschliesslich Verbrennerfahrzeuge ​gebaut, die letzte dieser ⁠Baureihen läuft 2034 aus.

Neckarsulm verfüge über grosse industrielle Kompetenz und eine beeindruckende Geschichte, sagte ‌Döllner. «Aber Tradition allein sichert keine Zukunft.» Ziel sei es, den Standort so weiterzuentwickeln, dass er langfristig wettbewerbsfähig sei. Gesamtbetriebsrat Jens Stammler verwies auf ‌die Führungsrolle von Neckarsulm bei künstlicher Intelligenz und Digitalisierung. «Daher fordern ​wir als Betriebsrat, dass gerade diese Zukunftstechnologie bei uns entwickelt wird, um dadurch den gesamten VW-Konzern zu stärken.»

(Reuters)