Das Auftragspolster der deutschen Industrie wird dank ⁠eines wachsenden Neugeschäfts immer dicker. Der Bestand legte im August inflationsbereinigt um 0,5 Prozent im ‌Vergleich zum Vormonat und damit bereits zum siebten Mal ‌in Folge zu, wie das ​Statistische Bundesamt am Montag mitteilte. Das Auftragspolster ist damit so dick wie noch nie seit Beginn der Erhebung im Jahr 2015. Verglichen mit dem Vorjahresmonat legte der Bestand offener Aufträge sogar um 10,7 Prozent zu.

«Über kurz oder ‌lang wird das auch in der Produktion ankommen», sagte der Chefvolkswirt der Bank Bethmann HAL, Alexander Krüger. Vor allem die Rüstungsindustrie, die zunehmend von staatlichen Aufträgen ​profitiert, dürfte einen Beitrag leisten. Schwierige Standortbedingungen stünden einer ​deutlichen Erhöhung der Kapazitäten vorerst aber entgegen. «Mancher Auftrag wird ​deshalb erst einmal offen bleiben», sagte Krüger.

Zur positiven Entwicklung im August trugen der ‌Maschinenbau (+0,5 Prozent zum Vormonat), der Bereich Flugzeuge, Schiffe, Züge, Militärfahrzeuge (+0,3 Prozent) und die Hersteller von Datenverarbeitungsgeräten, elektronischen und optischen Erzeugnisse (+1,4 Prozent) bei. Letztere profitieren vom weltweiten ​Trend zu ​Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz. «Negativ beeinflusste ⁠das Gesamtergebnis hingegen der Rückgang in der Automobilindustrie», ​stellten die Statistiker ⁠fest. Hier gab es ein Minus von 0,4 Prozent.

Die offenen Aufträge aus ‌dem Inland stiegen um 0,4 Prozent. Der Bestand an Bestellungen aus dem Ausland legte mit 0,5 Prozent einen Tick stärker ‌zu.

Die Reichweite des Auftragsbestands verharrte im August mit 9,0 Monaten ​auf Rekordniveau. Er gibt an, wie viele Monate die Betriebe bei gleichbleibendem Umsatz ohne Neugeschäft theoretisch produzieren müssten, um vorhandene Bestellungen abzuarbeiten.

(Reuters)