Ausblick - Börsen-Vorschau: «Fed will Inflation stoisch abwarten – könnte aber zu spät handeln»

Die neue Börsenwoche wird ganz im Zeichen der Notenbank-Sitzungen der Fed und SNB stehen. Zudem stehen zahlreiche Konjunkturdaten an, die den Märkten die Richtung vorgeben werden.
12.06.2021 11:43
Ein Fussgänger von dem Gebäude der US-Notenbank Fed in Washington.
Ein Fussgänger von dem Gebäude der US-Notenbank Fed in Washington.
Bild: Bloomberg

Abwarten und Füsse still halten - dieser Devise dürften die Anleger an den europäischen Aktienmärkten in der neuen Woche folgen. Der Dax kommt derzeit kaum vom Fleck, weil Anleger gebannt auf das weitere Vorgehen der US-Notenbank warten. Der Schweizer Aktienmarkt hat am Freitag hingegen den nunmehr seit Monatsanfang bestehenden Aufwärtstrend fortgesetzt und erneut fester geschlossen. Experten gehen davon aus, dass die Fed - ähnlich wie die Europäische Zentralbank (EZB) - am Mittwoch wohl nicht an ihrer aktuellen Geldpolitik rütteln wird. Und das, obwohl die US-Inflation im Mai überraschend stark auf fünf Prozent gestiegen ist.

"Die Fed wird das länger anhaltende Inflationsplateau stoisch abwarten wollen – vielleicht aber zu spät handeln, was perspektivisch ungemütlich für die Finanzmärkte werden könnte", warnt NordLB-Analyst Bernd Krampen. Auch die Experten der Commerzbank gehen davon aus, dass es bei der kommenden Sitzung noch kein Exit-Signal geben wird. Erst "im vierten Quartal sollte der Beschäftigungsaufbau so weit vorangekommen sein, dass die Fed ein Herunterfahren der Anleihenkäufe beschliesst". Auch die Schweizer Nationalbank trifft am Donnerstag zusammen und wird über die geldpolitische Lagebeurteilung informieren. Auch hier werden noch keine Änderungen erwartet. 

ZAHLREICHE KONJUNKTURDATEN AUF DER AGENDA

Am Tag vor dem Fed-Entscheid könnten die US-Einzelhandelsumsätze Rückschlüsse auf die Beratungen liefern. Experten rechnen für Mai mit einem Rückgang um 0,4 Prozent. Der private Konsum gilt als Hauptstütze der weltgrössten Volkswirtschaft.

Diesseits des Atlantik eröffnet die europäische Industrieproduktion am Montag den Konjunkturdaten-Reigen. Am selben Tag wird in der Schweiz der Produzenten- und Importpreisindex für den Mai 2021 veröffentlicht. Am Dienstag folgen die deutschen Inflationszahlen. Bei der europäische Industrieproduktion erwarten Experten für April einen Anstieg von fast 37 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, als die Coronavirus-Pandemie die Weltwirtschaft gelähmt hatte. Die Teuerungsrate in Deutschland sehen Analysten im Mai wie bei der ersten Schätzung bei 2,5 Prozent im Jahresvergleich.

BIDEN TRIFFT SICH MIT STAATS- UND REGIERUNGSCHEFS

Daneben dürfte auch die Politik wieder in den Vordergrund rücken. Für US-Präsident Joe Biden stehen bei seiner Europa-Reise neben dem Gipfel der Staats- und Regierungschefs der sieben grössten Industriestaaten (G7) zahlreiche weitere Spitzengespräche auf dem Programm. "Auch soll es möglicherweise um die gegenseitige Abschaffung von Strafzöllen zwischen den Vereinigten Staaten und der Europäischen Union gehen", sagt Analyst Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC Markets. "Es wird spannend sein zu sehen, was die Märkte daraus machen."

In den vergangenen Tagen stieg der Dax zeitweise auf ein Rekordhoch von 15.732,06 Punkten, büsste unter dem Strich allerdings 0,3 Prozent ein. Damit stand er vor seinem ersten Wochenverlust seit mehr als einem Monat. Der Schweizer Aktienmarkt hat am Freitag den nunmehr seit Monatsanfang bestehenden Aufwärtstrend fortgesetzt und erneut fester geschlossen. Das im Verlauf erreichte neue Rekordhoch konnte der Leitindex aber nicht verteidigen

Unter den Einzelwerten könnte es zum Wochenschluss noch einmal spannend werden. Am Freitag verfallen Futures und Optionen auf Indizes sowie Optionen auf einzelne Aktien. Zum sogenannten Hexensabbat schwanken die Kurse üblicherweise stark, weil Investoren die Preise derjenigen Wertpapiere, auf die sie Derivate halten, in eine für sie günstige Richtung bewegen wollen.

(cash/Reuters)