Nestlé publiziert die Zahlen zu den ersten neun Monaten respektive dem dritten Quartal 2026 am Donnerstag, 22. Oktober. Insgesamt haben zehn Analysten zum AWP-Konsens beigetragen.
9M 2026 (in Mio Fr.) AWP-Konsens 9M 2025 Umsatz 65'622 65'869 Q3 2026 (in Prozent) AWP-Konsens Q2 2026 Organisches Wachstum 3,5 3,7 Mengenwachstum (RIG) 1,7 1,8
Was wird erwartet?
Beim wichtigen Mengenwachstum sind sich die Analysten uneinig. Im Durchschnitt erwarten sie für das sogenannte interne Realwachstum (RIG) im dritten Quartal mit 1,7 Prozent eine leichte Abschwächung gegenüber dem Vorquartal mit 1,8 Prozent. Die Schätzungen gehen allerdings ziemlich auseinander. Sie reichen von 1,5 bis 1,9 Prozent. Damit ist sowohl eine Abschwächung als auch eine leichte Beschleunigung gegenüber dem Vorquartalswert möglich. Im Vorjahresquartal hatte das RIG 1,5 Prozent betragen. Die Trendwende dürfte bei einem Konzern von der Grösse Nestlés allerdings Zeit brauchen.
Das gesamte organische Wachstum dürfte sich im dritten Quartal gegenüber dem Vorquartal mit 3,7 Prozent leicht abgeschwächt haben. Grund dafür sind vor allem geringere Preiserhöhungen. Für die ersten neun Monate rechnen Analysten mit einem praktisch stabilen Umsatz von rund 65,6 Milliarden Franken. Während das Geschäft organisch wächst, belasten negative Währungseffekte den in Franken ausgewiesenen Umsatz.
Eine Überraschung wäre, wenn Nestlé die Jahresziele 2026 nicht bestätigen würde. Der Konzern erwartet ein organisches Wachstum von 3 bis 4 Prozent und eine Verbesserung der bereinigten operativen Marge gegenüber dem Vorjahreswert von 16,1 Prozent.
Was stützt das Geschäft - und was drückt?
Positive Impulse erwarten Analysten vom Wassergeschäft, das vom Hitzesommer profitiert haben dürfte. In den USA sollte der Lagerabbau bei Detailhändlern das Geschäft mit Purina-Tiernahrung weniger stark belasten. Auch bei Starbucks-Kaffee könnte sich die Nachfrage nach den deutlichen Preiserhöhungen im Vorquartal wieder erholen. In Europa dürften die Folgen von Streitigkeiten mit Detailhändlern nachlassen. Auch die Belastungen durch den Rückruf von Säuglingsnahrung sollten weiter abnehmen. In verschiedenen Schwellenländern erwarten die Beobachter weiterhin eine gute Nachfrage.
Schwierig bleibt dagegen das Geschäft in China wegen der anhaltenden Konsumschwäche. In den USA drücken die Kaufkraftprobleme vieler Haushalte auf den Absatz von Tiefkühlprodukten. Bei Nespresso erschwert zudem das starke Vorjahresquartal den Vergleich.
Was ist sonst noch wichtig?
Beim Konzernumbau bleibt abzuwarten, wie rasch Nestlé die geplanten Verkäufe abschliessen kann und ob weitere Geschäfte abgestossen werden. So soll das verbleibende Glacégeschäft an das Gemeinschaftsunternehmen Froneri gehen. Die Details sind aber noch nicht bekannt. Die geplante Partnerschaft mit Platinum Equity für das Wassergeschäft dagegen soll rund 2,8 Milliarden Franken in die Kasse spülen. Weitere 800 Millionen Franken erwartet Nestlé aus dem Verkauf eines Teils des Geschäfts mit Nahrungsergänzungsmitteln. Beide Transaktionen sollen im ersten Halbjahr 2027 abgeschlossen werden.
Für zusätzliche Unsicherheit sorgt Russland. Moskau stellte im September die dortigen Nestlé-Gesellschaften unter eine externe Verwaltung. Nestlé bleibt zwar formal Eigentümer, hat aber die Kontrolle verloren. Analysten schätzen den Umsatzanteil Russlands auf rund 1 bis 2 Prozent. Unklar sind die Auswirkungen auf den Konzernumsatz, die operative Marge und die Bilanz. Nestlé hat mögliche finanzielle Folgen der Zwangsverwaltung in seiner Jahresprognose bisher ausdrücklich ausgeklammert.
Wo steht die Nestlé-Aktie?
Die Nestlé-Aktie hat sich zuletzt deutlich erholt. In den vergangenen vier Wochen legte sie um gut 8 Prozent zu. Rückenwind erhielt sie unter anderem von positiven Analystenstimmen, die Hoffnungen auf Fortschritte beim Konzernumbau und auf eine Belebung des Mengenwachstums weckten. JPMorgan orakelte jüngst mit Blick aufs Jahr 2027 gar vom möglicherweise besten Geschäftsjahr seit 2023. Seit Jahresbeginn beträgt das Kursplus allerdings erst knapp 5 Prozent, während der SMI um rund 8,5 Prozent gestiegen ist. Mit zuletzt gut 82 Franken notiert der Titel klar über dem Jahrestief von gut 70 Franken. Vom 52-Wochen-Hoch bei rund 87 Franken ist er nicht mehr allzu weit entfernt.
(AWP)

