Dagegen dürften die Gewinnzahlen nach oben zeigen, nachdem der Branchenprimus die Preise in der Schweiz erhöht hat und in Italien mehr Synergien aus dem Zusammenschluss der Breitbandtochter Fastweb mit Vodafone Italia herausgeholt hat.

Die Telekommunikationsanbieterin gibt am Donnerstag, 5. November, die Neunmonatszahlen 2026. Insgesamt sieben Analysten haben zum AWP-Konsens beigetragen. Erwartet wird demnach ein Umsatz von 10,885 Milliarden Franken, der unter dem Vorjahreswert von 11,175 Milliarden Franken liegen würde. Die Analysten rechnen mit einem höheren Ebitda-AL von 3,85 Milliarden Franken für die ersten neun Monate in diesem Jahr (2025: 3,777 Milliarden Franken). Auch der Reingewinn steigt nach dem Konsens auf 1,041 Milliarden Franken von 988 Millionen Franken im gleichen Zeitraum des Vorjahrs.

Wie läuft das Geschäft?

Trotz der Preiserhöhungen auf breiter Front im April wird der Krebsgang im Telekomgeschäft der Swisscom weitergegangen sein. Analysten rechnen mit einem weiteren Rückgang des Umsatzes. Dagegen rechnet die Analystengilde mit mehr operativem Gewinn und Reingewinn, denn zum einen führt die Swisscom die Kostensparmassnahmen weiter. Und zudem will sie in Italien aus der Zusammenlegung der eigenen Tochter Fastweb mit der übernommenen Vodafone Italia beträchtliche Synergien heben.

Dennoch dürfte die Dynamik im Sommerquartal nachgelassen haben, in dem Analysten mit einem Rückgang bei Umsatz, EBITDAaL und Reingewinn rechnen. Bei den Privatkunden hält die Erosion an. Das Roaminggeschäft könnte im Sommer gelitten haben, erklärten Analysten. Zudem geht der harte Preiskampf durch aggressive Angebote der Konkurrenz weiter.

Auch in Italien macht der Konkurrenzkampf dem Telekomgeschäft zu schaffen. Im ersten Halbjahr hat die Swisscom dort 90 Millionen Euro Umsatz verloren. Hinzu kommt, dass der Wholesale-Kunde Lyca mit rund 1 Million Anschlüssen der Swisscom den Rücken gekehrt hat. Im ganzen Jahr 2026 dürfte das Umsatzminus rund 150 Millionen Euro betragen. Die Swisscom will nicht mehr alle Preisschlachten in Italien mitmachen.

Mit Synergien von 166 Millionen Euro im ersten Halbjahr ist die Swisscom gut unterwegs zu ihrem Ziel von über 300 Millionen Euro Synergien im Gesamtjahr 2026. Dies wären die Hälfte aller Synergien, die bis 2029 erreicht werden sollen.

In der Schweiz ist die Swisscom auf Kurs zum Sparziel im Telekomgeschäft von über 50 Millionen im Gesamtjahr 2026. Davon wurden im ersten Semester schon 42 Millionen Franken erreicht.

Was ist sonst noch zu beachten?

In der Schweiz spaltet die Swisscom die unter Druck geratene Firmenkundensparte auf: Die Beratung für KI, Daten, Software und digitale Transformation wird in einer eigenen Tochter zusammengefasst. Das restliche Firmenkundengeschäft bleibt bei der bisherigen Einheit Swisscom Business Customers. Umgesetzt wird die Restrukturierung ab 1. April. Wie viele Stellen abgebaut werden und wie viel der Umbau finanziell bringt, wollte der Konzern nicht verraten.

Zudem hat die Swisscom einen Sieg im Glasfaserstreit mit der Wettbewerbskommission (Weko) errungen. Das Bundesverwaltungsgericht hat die Sanktion der Kartellwächter gegen die Swisscom aufgehoben und die geänderte Bauweise des Glasfasernetzes gutgeheissen. Damit kann der Konzern nur noch eine Zuleitung von der Telefonzentrale bis zum Verteilpunkt im Strassenschacht vor den Häusern legen, statt jeden Haushalt mit einer Direktleitung verbinden zu müssen. Das ist günstiger. Damit dürfte die Swisscom 170'000 bisher blockierte Glasfaseranschlüsse wieder in Betrieb nehmen. Das geht allerdings nicht von heute auf morgen. Das Urteil ist überdies noch nicht rechtsgültig. Es kann vor dem Bundesgericht angefochten werden. Ob die Weko einen Rekurs einreicht, ist noch entschieden.

Wie sehen die Jahresziele aus?

An den Zielen für das laufende Geschäftsjahr 2026 wird die Swisscom festhalten: Der «blaue Riese» peilt einen Umsatz von 14,7 bis 14,9 Milliarden Franken an. Beim operativen Gewinn will die Swisscom 5,0 bis 5,1 Milliarden Franken erreichen. Geplant sind ausserdem Investitionen von 3,0 bis 3,1 Milliarden Franken.

Die Preiserhöhungen der Swisscom können die Talfahrt im Telekomgeschäft nicht aufhalten, hatte Konzernchef Christoph Aeschlimann im August bei der Vorlage der Halbjahreszahlen im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AWP gesagt: «Wir werden auch dieses Jahr einen Umsatzrückgang von rund 120 Millionen Franken in der Schweiz haben, trotz der Preiserhöhungen.» Der grösste Teil des Rückgangs komme von den Geschäftskunden.

Demgegenüber bringe die am 1. April in Kraft getretene Preiserhöhung bei der Hauptmarke Swisscom einen tiefen zweistelligen Millionenbetrag an Umsatz, sagte Aeschlimann. Der Effekt der Preiserhöhungen bei den Nebenmarken Wingo und Migros Mobile ab September sei im laufenden Jahr hingegen noch vernachlässigbar.

Wenn diese Ziele erreicht werden, soll die Dividende um 1 Franken auf 27 Franken pro Aktie erhöht werden.

Wie entwickelt sich der Aktienkurs?

Die Swisscom-Aktien haben sich vom Absturz nach dem Höhenflug im März wieder deutlich erholt. Am 10. März hatten sie mit 727 Franken den höchsten Stand seit Jahrzehnten erreicht, sackten dann aber bis auf 604 Franken ab. Mittlerweile nehmen sie mit einem Kurs von aktuell 708 Franken wieder Anlauf auf das Hoch, nachdem sie in der vergangenen Woche die Marke von 700 Franken geknackt haben. Und dies, obwohl die Titel nach über einem Vierteljahrhundert im September aus dem Leitindex SMI geflogen sind.

Allerdings ist das nicht das Verdienst der Performance des Telekomkonzerns. Die Swisscom-Aktie profitierte davon, dass defensive Titel stark gesucht waren wegen der Sorgen um die hohen Bewertungen der KI-Aktien. Dieser Trend trieb auch die Aktien von anderen defensiven Schwergewichten wie Pharmakonzernen oder Gesundheitswerten an.

(AWP)