Der weltweite Ausverkauf bei Staatsanleihen hat sich am Freitag fortgesetzt. In der Euro-Zone steuerten die Renditen auf den siebten wöchentlichen Anstieg in Folge zu. ‌Die Rendite ⁠der zehnjährigen Bundesanleihe, die als Richtwert für die Euro-Zone gilt, war am Donnerstag in der ⁠Spitze auf 3,6114 Prozent gestiegen - den höchsten Stand seit Juni 2009.

Am Freitag notierte sie erneut über dem Vortagesschluss. ‌Die Verkaufswelle erfasste auch die asiatischen Märkte. Die Rendite zehnjähriger japanischer ‌Staatsanleihen stieg zum Wochenschluss auf 3,121 Prozent und ​lag damit so hoch wie seit 1996 nicht mehr. Die Rendite fünfjähriger Titel kletterte auf ein Rekordhoch.

In den USA, dem weltweit wichtigsten Anleihemarkt, war die Rendite der 30-jährigen Staatsanleihe auf bis zu 5,5016 Prozent geklettert. Damit lag sie auf dem höchsten Stand seit 2004. Die Verzinsung ‌zehnjähriger US-Anleihen erreichte mit 5,2251 Prozent ein 19-Jahres-Hoch. Während die Zinsen für kurzlaufende Anleihen die Zinserwartungen widerspiegeln, zeigen Papiere mit längerer Laufzeit die Bereitschaft der Investoren, die Staatsverschuldung langfristig zu finanzieren. Analysten verwiesen ​darauf, dass sich die psychologische «Schmerzgrenze» der Anleger bei US-Anleiherenditen von fünf auf ​sechs Prozent verschieben könnte.

«Die weltweiten Anleihemärkte schlagen Alarm, und ​das zu ignorieren, könnte sich als sehr teuer erweisen», sagte Nigel Green vom Finanzberater deVere. «Sobald die risikofreien Zinsen in der ‌grössten Volkswirtschaft der Welt über fünf Prozent liegen, muss jeder Vermögenswert weltweit neu bewertet werden. Aktien, Immobilien, Privatkredite, Schwellenländeranleihen - nichts davon ist immun.»

Auf die Kurse am Anleihemarkt drückten unter anderem Inflationssorgen ​wegen des ​Anstiegs beim Ölpreis. Nordsee-Rohöl der Sorte Brent ⁠verzeichnet seit Anfang Juli ein Plus von rund 50 Prozent. ​Auch steigende Staatsausgaben schüren Sorgen ⁠über eine hartnäckige Teuerung.

Da sich zugleich die Wirtschaft laut Konjunkturdaten überraschend robust zeigt, sorgen ‌sich Anleger zunehmend über die künftige Geldpolitik wichtiger Notenbanken. «Der überwiegende Teil des Renditeanstiegs seit März ist auf die Erwartung steigender Zinsen in den USA zurückzuführen», sagte Gennadiy ‌Goldberg, Chefstratege bei TD Securities. Die Fed und andere wichtige Notenbanken versuchen, ​mit erhöhten Zinsen die Inflation einzudämmen, ohne den Konjunkturmotor abzuwürgen.

(Reuters)