Autoleasing zum Nulltarif - geht das?

Ein Auto mit Null Prozent Leasing-Zins gehört mittlerweile zum Angebot mehrerer grosser Importeure. Aber was steckt da wirklich dahinter? Und gibt es bald einen Negativzins bei Auto-Krediten?
10.05.2016 06:50
Von Ivo Ruch und Marc Forster
Der Weg zum Traumauto führt häufig über einen Kredit: Das Neu-Modell Audi Q2 wird werbewirksam an einem Strand in Szene gesetzt.
Der Weg zum Traumauto führt häufig über einen Kredit: Das Neu-Modell Audi Q2 wird werbewirksam an einem Strand in Szene gesetzt.
Bild: ZVG

"0,0 Prozent Finanzierung" für einen populären Kleinwagen ist ein verbreitetes Angebot. Ob bei Volkswagen, Jaguar oder Peugeot: Leasingangebote nahe Null Prozent Zins für Neuwagen poppen auf, sobald man im Internet auf den Seiten der grossen Automarken surft. Fast entsteht der Eindruck, das Leasing eines Autos koste nichts mehr. Im hart umkämpften Auto-Markt lassen sich die Händler viel einfallen, um Kunden zu locken. Aber was steckt wirklich hinter den vermeintlichen Tiefzins-Schockern?

"Die Zinsen werden durch den Markt festgelegt", sagt Cornelia Stengel, stellvertretende Geschäftsführerin des Leasingsverbands Schweiz. Autoleasing mit Privaten untersteht wie andere Finanzierungen teilweise dem Konsumkreditgesetz. Auf Mitte Jahr wurde die Zins-Obergrenze für Konsumkredite und auch Autoleasing von 15 auf 10 Prozent gesenkt, vom Bundesrat festgelegt. In Tat und Wahrheit liegen die Zinssätze aber bereits heute regelmässig tiefer, wie der Leasingverband auf Anfrage sagt.

Die Zinssätze für das Autoleasing stehen auch im Zusammenhang mit der Wahl der Finanzierungsgesellschaft. Diejenigen Leasinggeber, die direkt den Importeuren angeschlossen sind, können teilweise für bestimmte Produkte tiefere Zinsen anbieten als freie Finanzierungsgesellschaften. Allerdings finanzieren die den Importeuren angeschlossenen Institute in der Regel nur Neuwagen oder Occasionen ihrer eigenen Marken, während die freien Finanzierungsgesellschaften Verträge für Neuwagen und Occasionen aller Marken abschliessen.

Nullzins als Marketing-Instrument

Der Leasingnehmer, sprich Kunde, hat bei freien Anbietern immer einen gewissen Verhandlungsspielraum: "Er kann sich mehrere Angebote einholen", sagt Cornelia Stengel. Dies auch dann, wenn ein Händler mit einer bestimmten Leasinggesellschaft zusammenarbeite und dem Kunden vorschlage, den Vertrag bei dieser abzuschliessen.

Die Höhe von Leasingraten und -zinsen hängt ab vom Anteil am Kaufpreis eines Autos, den der Käufer für einen Leasingvertrag bereit ist, zu bezahlen. Ausschlaggebend sind auch die Laufzeit, und ähnlich wie bei Wohnhypotheken, die Kreditwürdigkeit des Kunden. Die viel beworbene Nullverzinsung für Neuwagen-Leasing ist hingegen vor allem ein Marketing-Instrument der Händler. Das Lockangebot gilt häufig für Modelle, bei denen ein besonders hohes Absatzziel besteht. Die zu den Importeuren und Herstellern gehörenden Leasinggesellschaften haben intern andere Refinanzierungsmöglichkeiten als die freien Anbieter.

Besser fahren mit Privatkredit

Deshalb sind Leasing-Anbieter, die nicht zu einem Autokonzern gehören und deren Angebot somit nicht von diesem subventioniert ist, häufig teurer. cashgate beispielsweise bietet aktuell Leasingzinsen ab 5,5 Prozent. Viel Spielraum nach unten sieht Marc Parmentier vom Vergleichsdienst comparis jedoch nicht: "Sie brauchen etwa eine Marge von 5 Prozent, um im Leasinggeschäft überleben zu können."

Die Differenz zu Konsumkrediten ist solchen Fällen nicht mehr gross. Und laut einer Vergleichsstudie von comparis.ch sind denn Leasingverträge unter dem Strich meistens weniger attraktiv als ein Privatkredit. Denn die effektiven Kosten belaufen sich auf mehr als die reinen Leasingraten. Erstens ist eine Vollkasko-Versicherung über die gesamte Leasing-Dauer Pflicht. Bei einem geleasten Auto ist diese in der Regel viel teurer als bei einem gekauften Wagen.

Zweitens sind Leasing-Nehmer an bestimmte Garagen gebunden und bei Reparaturen dürfen nur teure Originalteile verwendet werden. Drittens bezahlt einen Aufschlag, wer mehr Kilometer fährt als vertraglich vereinbart. Vor allem bei der Nullverzinsung bestehen relativ restriktive Kilometervorgaben.

Das Fazit von comparis-Experte Marc Parmentier lautet deshalb: "Leasing eignet sich insbesondere für Auto-Liebhaber (...) die gerne regelmässig das neuste Modell mit der modernsten Ausstattung fahren." Für jene, die sich keinen Barkauf leisten können, lohnt sich in den meisten Fällen ein Konsumkredit. Zwar sind bei einem solchen Kredit die etwas Zinsen höher. Jedoch ist man flexibler, auch was den Ausstieg aus dem Vertrag angeht. Zudem gehört das Fahrzeug dem Käufer und er kann über Versicherungen oder Reparaturen selbst entscheiden. Schliesslich kann der Kreditzins in der Steuererklärung vom Einkommen abgezogen werden, was bei Leasingraten nicht möglich ist.

Negativzins wäre schlechtes Zeichen

In Deutschland ist die Situation noch verrückter als in der Schweiz. Dort gibt es inzwischen Leasingverträge mit negativen Zinsen. "Offenbar werden im Autohandel solche Zinskonditionen, die sich vordergründig an den Negativzinsen der Europäischen Zentralbank orientieren, vergleichbar eingesetzt wie sonst Rabatte", schrieb die Frankfurter Allgemeine kürzlich. Erwähnt wird ein Beispiel für die A-Klasse von Mercedes. Effektiver Jahreszins: minus 2,04 Prozent.

Für die Schweiz kann sich das Parmentier bei einzelnen Anbietern grundsätzlich auch vorstellen, sieht das allerdings kritisch: "Dies wäre eine explizite Aufforderung zum Schulden machen, da hier suggeriert würde, dass sich Schulden machen mehr lohnt als sparen." Denn auch wenn die Zinsen negativ sind, der Konsument verschuldet sich dennoch.