Autozulieferer: Es liegt mehr drin

In Europa steigen die Autoabsätze wieder leicht an. Das sind gute Signale für die hiesigen Autozulieferer-Aktien. Auch scheinbar «auto-fremde» Unternehmen wie Apple bekommen Auto-Fantasien.
10.03.2014 01:00
Von Frédéric Papp
Autozulieferer wie Autoneum haben noch weiter Kurspotenzial.
Autozulieferer wie Autoneum haben noch weiter Kurspotenzial.
Bild: ZVG

Der europäische Automarkt fuhr während der letzten Jahre im Rückwärtsgang. Vor der Krise wurden 14,8 Millionen Fahrzeuge verkauft. 2013 wurden nur noch knapp 12 Millionen Stück abgesetzt. Doch nun zeichnet sich eine Wende ab.

"Wir sind davon überzeugt, dass der Autofrühling wesentlich kraftvoller und lebhafter wird als noch vor einem Jahr", betont der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), Matthias Wissmann, am Autosalon in Genf. Der Verband rechnet mit einem Wachstum von 2 Prozent für das laufende Jahr. Und global erwartet die Branche ein Wachstum von 5 Prozent.

Von der besseren Stimmung profitieren vor allem Autozulieferbetriebe schon seit längerem, da sie in der Produktionskette am Anfang stehen. Ems Chemie, Feintool und Georg Fischer kletterten innert Jahresfrist zwischen 30 und 60 Prozent. Die Autoneum-Aktie verteuerte sich gar um 170 Prozent.

Es liegt noch mehr drin

Zuversichtlich für weitere Kurssteigerungen ist die Analystengemeinde bei Feintool. "Die beträchtlichen Investitionen, welche der Autozulieferer getätigt hat, beginnen sich auszubezahlen und zeigen, dass sich Feintool auf Kurs befindet", schreibt die Zürcher Kantonalbank (ZKB) in einem Marktbericht. Hinzu kommt: Die Aktie gilt mit einem EV/EBITDA-Verhältnis von 6,6 für 2014 als moderat bewertet.

Auch für Georg Fischer (GF) stehen die Zeichen gut. So rechnet GF im laufenden Jahr nach dem starken 2013 mit einem Zuwachs bei Umsatz und Gewinn. Das Gros der Analysten sieht sich in ihrem Buy-Rating bestätigt und erhöhte teilweise ihre Kursziele. Die UBS zum Beispiel hob jüngst das Kursziel um 70 auf 770 Franken. Derzeit notiert die Aktie bei rund 700 Franken.

Für weiter steigende Kurse sorgte am letzten Donnerstag eine Meldung von Autoneum. Der Winterthurer Automobilzulieferer kündigte an, seine Faser-Technologie für die Herstellung von Unterbodenverkleidungen und Motorenunterschilder ab 2015 auch in den USA, dem zweitgrössten Automobilmarkt nach China, einzuführen.

Die Produkte sind schallabsorbierend und bis zu 50 Prozent leichter als herkömmliche Kunststofflösungen. Am Freitag gingen die Titel bei rund 157 Franken aus dem Handel. Der Markt schätzt das Kurspotenzial bei Autoneum auf durchschnittlich 170 Franken.

Apple & Co. werden zu Autozulieferern

Neben den klassischen Autozulieferern, die primär Technologien zur Gewichtsreduktion von Innen- und Aussenteilen oder kontinuierlich verbesserte Brems-, Antriebs- und Beleuchtungssysteme liefern, geht der Trend immer mehr in Richtung Multimedialität.

Und hier kommt Apple ins Spiel. Der iPhone-Hersteller stellte kürzlich die Plattform CarPlay vor. Über sie kann man unter anderem während der Fahrt auf den sprechenden Assistenten Siri, Kartendienste und die eigene Musik zugreifen. Als erste Fahrzeuge sollen diese Woche Modelle von Mercedes, Volvo und Ferrari die Technologie bekommen.

Die Smartphone-Plattform Android von Google befindet sich ebenfalls auf dem Weg ins Auto. Der Internet-Konzern bildete dafür Anfang des Jahres eine Allianz mit Autoherstellern, der unter anderem Audi angehört. Bei der "Open Automotive Alliance" machen auch General Motors, Honda und Hyundai mit.

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch die britische Firma CSR. Das Unternehmen stattet vor allem Elektroautos mit diversen zusätzlichen elektronischen Gadgets aus.

Risiken beachten

Risikotoleranten Anlegern bieten sich somit immer noch Einstiegschancen. Das Augenmerk müssen Anleger aber auf die Wirtschaftsentwicklung in China richten. China gilt als grösster Automobilmarkt der Welt. Gerät die chinesische Wirtschaft weiter ins Straucheln, dürfte es für die Automobilbranche als Ganzes ungemütlich werden.

Anleger können neben dem Kauf der Aktie auch mittels ETF auf den Automobilsektor setzen und so das Investitionsrisiko kleiner halten. Der ETF aus dem Hause iShares zum Beispiel bildet die Unternehmen der europäischen Automobilhersteller- und Zuliefererbranche aus dem Sektor übergreifenden STOXX Europe 600 Index ab (siehe Tabelle).

 

ETF Valor Performance 1 Jahr Performance 3 Jahre
ComStage STOXX Europe 600 Automobile & Parts 4561484 47% 67%
Lyxor ETF STOXX Europe 600 Automobile & Parts 2632755 46% 67%
iShares ETF Stoxx Europe 600 Automobile & Parts 12981034 41% -

Quelle: cash.ch, Stand: 06.03.2014