Die britische Notenbank erhöht erstmals seit drei Jahren die Zinsen und bietet damit der hohen Inflation Paroli. ⁠Die Bank of England (BoE) hob den Leitzins am Donnerstag um einen Viertelpunkt auf 4,00 Prozent an. Von Reuters befragte Experten hatten ‌damit gerechnet. Die Währungshüterin Catherine Mann stimmte sogar für einen noch grösseren ‌Schritt von einem halben Prozentpunkt. Die von hohen ​Energiepreisen getriebene Teuerung ist auf 3,5 Prozent gestiegen und hat die Notenbank in Zugzwang gebracht. Der Zinsschritt sollte nicht zwangsläufig als erster einer Serie angesehen werden, erklärte Notenbankchef Andrew Bailey und fügte hinzu: «Doch solange der Konflikt im Nahen Osten nicht beigelegt ist, dürfte es sich wohl auch nicht um die ‌letzte Erhöhung handeln.»

Nach Ansicht von Ökonom Lucas Brauner vom Vermögensverwalter Deutsche Asset Management lässt die BoE «die Tür weit offen» für zusätzliche Zinserhöhungen. Ausschlaggebend für die Straffung seien die robuste Konjunktur und die Sorge, dass höhere Energiepreise die ​Inflation länger hochhalten könnten. Mitte nächsten Jahres dürfte sie laut Prognose der ​BoE bei rund fünf Prozent landen. Damit wäre das Inflationsziel ​der Zentralbank von 2,0 Prozent bereits sehr weit entfernt.

Starke Abhängigkeit von Gaseinfuhren

Grossbritannien ist aufgrund seiner Abhängigkeit von Erdgasimporten stärker von ‌den Folgen des vom Iran-Krieg ausgelösten Energiepreisschocks betroffen als viele andere westliche Länder. Die BoE reiht sich mit der Zinserhöhung in den Kreis der Zentralbanken ein, die sich gegen die vom Ölpreisschock angefachte Inflation stemmen. Im ​September ​hatte die US-Notenbank die Zinsen erstmals im laufenden Jahr ⁠angehoben und könnte laut Experten im Dezember nachlegen.

Die Europäische Zentralbank ​hat 2026 bereits zwei ⁠Schritte nach oben vollzogen und könnte im Dezember einen weiteren folgen lassen. An den Finanzmärkten wird damit ‌gerechnet, dass die BoE nächstes Jahr mehrfach nachlegen wird. «Nach unserer Prognose wird die Bank of England Anfang nächsten Jahres ihren Kurs abermals straffen», sagte LBBW-Ökonom Dirk Chlench. Signale aus ‌der Notenbank in diese Richtung gibt es bereits: BoE-Vizechefin Clare Lombardelli erklärte, dass ​in naher Zukunft wahrscheinlich eine weitere Zinserhöhung erforderlich sein werde. Die Währungshüterin Megan Greene sowie Chefvolkswirt Huw Pill sprachen von der Notwendigkeit einer «weiteren Straffung» beziehungsweise «zusätzlicher Zinserhöhungen».

(Reuters)