Banken - Credit Suisse erleidet klaren Gewinnrückgang wegen Archegos-Debakel

Das Archegos-Debakel hat der Credit Suisse (CS) auch das zweite Quartal des laufenden Geschäftsjahres verhagelt. Die Grossbank erlitt einen scharfen Gewinnrückgang und musste Geldabflüsse hinnehmen.
29.07.2021 14:35
Credit Suisse erleidet klaren Gewinnrückgang wegen Archegos-Debakel
Bild: Bloomberg

Der im März erfolgte Kollaps des US-Hedgefonds belastete die Grossbank im zweiten Quartal wie bereits angekündigt noch einmal mit knapp 600 Millionen Franken. Der Quartalsgewinn sackte in der Folge um 78 Prozent auf 253 Millionen Franken ab, wie die Credit Suisse am Donnerstag mitteilte.

Im ersten Quartal hatte der Archegos-Kollaps bereits zu einer Belastung von 4,4 Milliarden Franken geführt und die zweitgrösste Schweizer Bank im Auftaktquartal in die roten Zahlen stürzen lassen. Mit einer Gesamtbelastung von 5 Milliarden Franken hat das Hedgefonds-Debakel die CS sehr viel stärker belastet als die anderen involvierten Banken.

Risiko zurückgefahren

Deutliche Spuren hinterliess das Archegos-Ereignis im zweiten Quartal auch in den Erträgen der Grossbank. Diese fielen knapp 20 Prozent unter dem Vorjahr aus. Die CS fuhr als Reaktion auf den hohen Verlust aus dem Hedgefonds-Kollaps ihre risikoreicheren Geschäfte deutlich zurück - dies vor allem im Prime Brokerage, also dem Geschäft mit den Hedgefonds.

Zudem musste die CS unter dem Strich auch Abflüsse von Neugeldern vermelden. Diese seien allerdings zu einem grossen Teil auf eine bewusste Bereinigung bei Kunden aus dem Raum Asien Pazifik zurückzuführen, erklärte Finanzchef David Mathers vor den Medien. Einen Geldabfluss gab es auch bei den Privatkunden aus der Schweiz, was allerdings durch Zuflüsse von institutionellen Kunden kompensiert wurde.

Die Situation führte auch zu einem erhöhten Abgang im höheren Kader vor allem in den USA, wie der CEO bestätigte. Dies sei wohl darauf zurückzuführen, dass die CS im laufenden Jahr nicht zu den grössten Bonuszahlern unter den Banken gehöre. "Da müssen wir halt gewisse Abgänge in Kauf nehmen", so Gottstein.

23 Personen zur Kasse gebeten

Zumindest finanziell dürfte der Archegos-Fall nun abgeschlossen sein: Die CS habe sämtliche verbleibenden Archegos-Positionen Anfang Juni aufgelöst. Sie werde aber weiterhin versuchen, Mittel zurückzuerhalten, sagte Finanzchef Mathers, ohne weitere Einzelheiten zu nennen.

Bereits zur Kasse gebeten wurden 23 Personen, die laut CS rechenschaftspflichtig waren. Sie mussten über die Anpassung von Vergütungen respektive der Anwendung eines Malus finanzielle Einbussen von insgesamt rund 70 Millionen Dollar in Kauf nehmen. Bei neun Personen wurde das Arbeitsverhältnis beendet.

Der am Donnerstag veröffentlichte Untersuchungsbericht zum Archegos-Debakel stellte derweil eine "ungenügende Erfüllung der Aufsichtspflichten" in der Investment Bank wie auch im Risikobereich fest. Versäumt wurden im dem konkreten Fall auch Massnahmen zur Risikominderung wie etwa eine dynamische Margenhinterlegung.

Kein rechtswidriges Vorgehen

Allerdings hat der Bericht kein betrügerisches oder rechtswidriges Vorgehen und auch kein böswilliges Verhalten festgestellt. Zudem vermag die mit der Untersuchung beauftragte Anwaltskanzlei auch keine Mängel in der Architektur der Risikokontrollen und der Risikoprozesse festzustellen. Man sei nun "entschlossen, die richtigen Lehren zu ziehen", liess sich CS-Verwaltungsratspräsident António Horta-Osório zitieren.

Noch länger beschäftigen dürfte die CS derweil die Liquidierung der Anfang März geschlossenen Greensill-Fonds. Die Diskussionen mit den problematischeren Schuldnern dürften noch "mehrere Monate wenn nicht gar mehrere Quartale dauern", kündigte CEO Thomas Gottstein an. Einschliesslich einer für den 6. August angekündigten Zahlung von 0,4 Milliarden hat die Grossbank den Anlegern in die "Lieferketten-Finanzierungsfonds" nun 5,9 Milliarden der Fondsvermögen über insgesamt 10 Milliarden Dollar zurückerstattet.

(cash/AWP/Reuters)

 
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