Banken - Der «Plan C» der Commerzbank nimmt Gestalt an

Im Vorfeld des Treffens, zu dem die Commerzbank-Führung in dieser Woche zusammenkommt, sind einige Details des Strategieplans durchgesickert, den die Manager diskutieren werden.
14.09.2020 06:10
Die Commerzbank in Frankfurt.
Die Commerzbank in Frankfurt.
Bild: cash

Es wäre das dritte neue Strategieprogramm innerhalb von vier Jahren. Die Commerzbank "braucht dringend einen solchen Plan C", schrieb Bloomberg-Intelligence-Analyst Philip Richards Anfang letzter Woche. "Die Erträge der Commerzbank sind unvermindert unter Druck - ein Verlust ist in diesem und im nächsten Jahr möglich."

Änderungen werden schon seit Monaten diskutiert, wurden aber auf Eis gelegt, nachdem zwei Topmanager - Aufsichtsratschef Stefan Schmittmann und der Vorstandsvorsitzende Martin Zielke - von Bord gingen. Hans-Jörg Vetter steht nun dem Aufsichtsgremium vor und sucht einen neuen CEO.

Die folgenden Massnahmen sind informierten Kreisen zufolge im Gespräch. Die Commerzbank hat eine Stellungnahme dazu abgelehnt.

CEO-Suche

Vetter hätte gerne einen Externen auf dem Posten des Vorstandschefs. Er hat eine Personalberatung beauftragt und möchte die Suche vor Ende Oktober abschliessen. Mehrere potenzielle Kandidaten haben allerdings bereits kundgetan, dass sie nicht interessiert sind. Es gibt auch zwei interne potenzielle Aspiranten für den Job: Unternehmenskundenleiter Roland Boekhout und Finanzchefin Bettina Orlopp.

Änderungen im Management

Der Aufsichtsratschef erwägt auch, den Vorstand zu verkleinern, der zurzeit sieben Mitglieder umfasst. Die endgültige Entscheidung darüber wird er wahrscheinlich dem neuen Vorstandsvorsitzenden überlassen. Allerdings sind kürzlich bereits Privatkundenchef Michael Mandel und Chief Operating Officer Jörg Hessenmüller wegen ihrer Rollen bei den vorherigen Turnaround-Plänen unter Beschuss geraten. Mandel und Hessenmüller wollten dazu keinen Kommentar abgeben.

Stellenabbau

Die Bank dürfte rund 10'000 Arbeitsplätze abbauen - etwa ein Viertel der gesamten Belegschaft. Der Umfang könnte sich noch ändern - es kursieren Zahlen zwischen 7000 und 12'000. Der Stellenabbau soll sich über vier bis fünf Jahre erstrecken und auf freiwilliger Basis erfolgen, etwa durch Frühpensionierungen. Die Abgänge sollen auch Neueinstellungen in bestimmten Bereichen, vor allem bei digitalen Angeboten, ausgleichen.

Rentabilitätsziel

Die Bank geht davon aus, dass sie durch die Kürzungen ihr derzeitiges mittelfristiges Rentabilitätsziel von mehr als 4 Prozent um mindestens die Hälfte steigern kann. Das vorherige Ziel, das Zielke im vergangenen Jahr vorgestellt hatte, wurde von Aktionären als nicht ehrgeizig genug kritisiert und war ein Hauptgrund, warum der CEO das Handtuch geworfen hat.

Restrukturierungskosten

Vor Vetters Antritt waren die Kosten für die nächste Umstrukturierung auf rund 2 Milliarden Euro geschätzt worden, die die Commerzbank durch die Inanspruchnahme von aufsichtsrechtlichem Kapital gedeckt hätte. Die Bank hat kürzlich mehrere verlustabsorbierende Anleihen begeben, um ihr Kapital zu stärken. Zuvor war der Versuch gescheitert, mit einem Verkauf der polnischen Tochtergesellschaft eine Umstrukturierung des deutschen Geschäfts zu finanzieren.

Privatkundengeschäft

Die Commerzbank erwägt, ihr Netz von rund 1000 Privatkundenfilialen auf nur noch 200 vollwertige Filialen und 200 bis 300 Selbstbedienungsstandorte einzudampfen. Weniger drastische Verkleinerungen sind allerdings auch im Gespräch. Der Geschäftsbereich will mehr in digitale Angebote investieren und bei der Kundenakquise kürzer treten.

Firmenkunden

Die Commerzbank denkt über die Schliessung von Auslandsniederlassungen, eine schlankere Produktpalette und Gebühren für Dienstleistungen nach, die bisher kostenlos sind. Es ist auch im Gespräch, die Entscheidung für eine Abspaltung der Mittelstandsbank zumindest teilweise wieder rückgängig zu machen.

(Bloomberg)