Banken - «Kein Befreiungschlag» durch Zahlen: Kurs der CS-Aktie fällt deutlich

Die Credit-Suisse-Aktie fällt stark ins Minus. Die Zahlen zum zweiten Quartal werden kritisch gesehen und Analysten sind punkto weiterer Kursentwicklung skeptisch.
29.07.2021 09:52
Von Marc Forster
Die Credit Suisse hat 2021 mit den Pleiten von Archegos und Greensill zwei grosse Krisen erlebt.
Die Credit Suisse hat 2021 mit den Pleiten von Archegos und Greensill zwei grosse Krisen erlebt.
Bild: Bloomberg

Die Aktie der Credit Suisse notiert im frühen Handel mit 4 Prozent bei 8,92 Franken im Minus. Der Blue-Chip-Markt SMI hat nach dem Handelsbeginn die Verluste eingegrenzt und fällt um 0,05 Prozent. 

Der Kursrückgang ist eine unmittelbare Reaktion auf die am frühen Morgen vorgelegten neuesten Quartalszahlen. Die Grossbank hat zwischen April und Juni 253 Millionen Franken Reingewinn eingefahren. Analysten hatten mit mehr gerechnet. Laut der Investmentbank Jefferies wurde der Konsens um 24 Prozent verfehlt. 

Während die Beiträge der Universalbank Schweiz (SUB) und des Internationalen Wealth Managements teils deutlich höher ausfallen als gedacht, bleiben jene vom Investment Banking und aus Asien Pazifik hingegen hinter den Erwartungen zurück. Vor allem die Verluste wegen der Anlagegesellschaft Archegos, die in zweiten Quartal knapp 600 Millionen Franken betrugen, belasten die Bank. 

In der Investmentbank gehen die tieferen Einnahmen auch auf einen wegen Archegos forcierten Risikoabbau zurück.  

 

 

Jefferies erklärt sich den insgesamt höher als erwartet ausgefallenen Vorsteuergewinn unter anderem mit der Auflösung zuvor getätigter Rückstellungen sowie mit einem erfreulich hohen Erlös für Allfunds. 

Abflüsse in der Vermögensverwaltung

Zum negativen Bild trägt bei, dass die Vermögensverwaltungseinheiten in der Schweizer Bank SUB, im weltweiten Wealth Management und in der Region Asien-Pazifik unter Kundengeldabflüssen gelitten haben. Insgesamt sind 4,7 Milliarden Franken verlustig gegangen. 

Jefferies beurteilt das Resulat kritisch, sieht aber Raum für spätere Verbesserungen: "Alles in allem sehen wir die heutigen Resultate als schwach, aber nicht als Katastrophe." Trotz Abflüssen sei die Lage bei den verwalteten Vermögen besser als gedacht, schreibt Jefferies.

Laut Jefferies fielen zudem die Kosten um 3 Prozent höher aus als erwartet. 

Kurs dürfte weiter unter Unsicherheiten leiden

Etwas besser sieht es die Zürcher Kantonalbank (ZKB): "Operativ hat die CS den Erwartungen im Grossen und Ganzen entsprechen können." Die ZKB führt den tiefer als erwartet ausgefallen Gewinn vor allem auf Rückstellungen und Rechtfälle zurück. Positiv vermerkt die ZKB, dass die Kaptialbasis mit einer Kernkapitalquote von 12,7 Prozent stärker ist als erwartet. 

RBC Capital Markets sieht ebenfalls die verbesserte Quote des harten Kernkapitals als Lichtblick. Dennoch sieht sie die operativen Trends für die CSdurch die Ausfälle wegen Archegos und Greensill grundsätzlich beeinträchtigt. Ausserdem gebe es noch keine Klarheit über die regulatorischen Konsequenzen aus diesen Debakeln.

Aber auch bei der ZKB ist man skeptisch, ob der Aktienkurs, der dieses Jahr um 17 Prozent gefallen ist, sich erholen kann. "Angesichts des Ausblicks, dass die nächsten Quartale unter Vorjahresniveau landen könnten, genügen die heute vorgelegten Zahlen wohl nicht, um der Aktie zu einem Befreiungsschlag verhelfen zu können", schreibt Analyst Michael Kunz.

Mit Material der Nachrichtenagentur AWP.

 
Aktuell+/-%
CS Group N8.786-7.55%
SMI11'766.42-1.42%