Banken -  Keine Décharge: Klatsche für Credit-Suisse-Chefs - Aktionäre lehnen Entlastung ab - Lehmann: «Brauchen fundamentale Veränderungen»

Schlappe für die Credit Suisse-Spitze: Die Aktionäre der krisengeplagten Grossbank verweigern dem Verwaltungsrat und der Konzernleitung die Entlastung für das Geschäftsjahr 2020. Die Tageszusammenfassung.
29.04.2022 17:13
Credit-Suisse-CEO Thomas Gottstein ist seit 2020 Chef der zweitgrössten Schweizer Bank.
Credit-Suisse-CEO Thomas Gottstein ist seit 2020 Chef der zweitgrössten Schweizer Bank.
Bild: Bloomberg

Auf der Generalversammlung vom Freitag sprachen sich fast 60 Prozent der Eigner gegen eine Entlastung aus. Mit dem in der Schweiz seltenen Misstrauensvotum folgten die Anleger der Empfehlung der grossen Stimmrechtsvertreter Institutional Shareholder Services (ISS) und Glass Lewis und machten ihrem Unmut über eine Reihe von Skandalen und der schlechten Geschäftsentwicklung in den beiden Vorjahren Luft.

Er nehme den Entscheid mit Bedauern zur Kenntnis, sagte Verwaltungsratspräsident Axel Lehmann nach der Abstimmung. "Der Verwaltungsrat wird dieses Thema in den kommenden Sitzungen aufnehmen und allfällige weitere Schritte diskutieren."

Keine rechtlichen Konsequenzen

Unmittelbare rechtlichen Konsequenzen hat das Votum nicht. Nach Schweizer Recht können nun Aktionäre eine sogenannte Verantwortlichkeitsklage einreichen. Das Votum macht es also tendenziell für Investoren einfacher, im Nachgang noch zu klagen.

Der Rivalin UBS hatte die Aktionäre in den letzten Jahren bereits zwei Mal die Decharge verweigert. 2010 stimmten die Aktionäre rückblickend über die Jahre der Finanzkrise ab - und stimmten für das Jahr 2007 gegen eine Entlastung.

Damals stand die grösste Schweizer Bank am Rande des Zusammenbruchs. Die Credit Suisse ist gegenwärtig zwar nicht existenziell bedroht - Aber eine lange Liste von Skandalen und Fehlschlägen im Geschäft haben die Bank ihren Ruf und die Aktionäre viel Geld gekostet. "Was ist falsch gelaufen?", fragte ein Kleinaktionär auf der Generalversammlung. "Wenn eine schlechte Nachricht vorbei ist, kommt gleich die nächste."

Lehmann räumte ein, dass das Vertrauen von Kunden, Mitarbeitern, Regulatoren und Investoren gelitten habe. "Ja, die Bank ist in einem Formtief. Und ja, wir brauchen fundamentale Veränderungen." Die Credit Suisse wolle nun alles tun, um aus eigener Kraft dauerhaft zu Stabilität und Erfolg zurückzufinden. Konzernchef Thomas Gottstein sprach Lehmann sein Vertrauen aus. 

Keine Sonderprüfung

Einen Antrag auf eine Sonderprüfung rund um das Greensill-Debakel und zu den medialen Enthüllungen der "Suisse Secrets" lehnten die Aktionäre mit klaren Mehrheiten ab - knapp 89 Prozent stimmten dagegen. Eingereicht hatte den Antrag die Anlagestiftung Ethos.

Präsident Lehmann hatte sich gegen den Antrag gewehrt und darauf verwiesen, dass eine solche Prüfung hohe Kosten und Mehrfachaufwände verursache. Die Grossbank habe zudem einen Fragenkatalog von Ethos zu der Angelegenheit "in gutem Glauben beantwortet", betonte er an der Veranstaltung.

Zustimmung für Lehmann

Der CS-Präsident konnte sich zudem über eine hohe Zustimmung für seine Person freuen: 95,3 Prozent der Aktionäre wählten ihn. Lehmann hatte das Präsidium bei der CS im Januar 2022 übernommen, nachdem sein Vorgänger António Horta-Osório nach nur gut acht Monaten wegen Corona-Verstössen zurücktrat. Lehmann sitzt erst seit vergangenem Oktober im CS-Verwaltungsrat.

Auch alle anderen erneut angetreten oder neu kandidierenden Verwaltungsräte schafften die Wahl meist deutlich. Zustimmungsraten von mehr als 80 Prozent gab es auch zu den Vergütungen des Bankmanagements, auch wenn einzelne Aktionäre in schriftlich eingereichten Voten die Boni-Verteilung angesichts der hohen Verluste kritisierten.

Glücklos blieb ein weiterer Aktionärsantrag von Ethos und weiteren Gruppen betreffend Klimastrategie. Der Antrag verlangte, dass die Grossbank sich in ihren Statuten zum Pariser Klimaabkommen bekennen muss. Zudem wurden darin detailliertere Angaben gefordert, wie die CS ihre Exponierung in fossilen Energien reduzieren will. 77 Prozent der Aktionäre lehnten den Antrag ab.

Die Credit Suisse erlebt seit über einem Jahr eine Serie von Pleiten und Pannen. So hatte sie im vergangenen Jahr wegen des Zusammenbruchs des Hedgefonds Archegos einen Milliardenverlust erlitten. Hinzu kam die Liquidierung der mit Greensill Capital betriebenen Lieferketten-Finanzierungsfonds, bei denen Investoren weiter Verluste in Milliardenhöhe drohen. Ins Jahr 2022 ist die Bank wegen hoher Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten erneut mit einem hohen Quartalsverlust gestartet.

(Reuters/AWP)