Banken - Nun setzen auch eigene Topmanager Credit-Suisse-Chef Gottstein unter Druck

Zum zweiten Mal in einer Woche musste sich Credit-Suisse-Chef Thomas Gottstein kritischen Fragen stellen, diesmal von seinen eigenen Bankern. Es geht auch um die Boni wegen des gefallenen Aktienkurses.
08.04.2021 19:00
Thomas Gottstein während der Bilanzmedienkonferenz der Credit Suisse im Februar 2020.
Thomas Gottstein während der Bilanzmedienkonferenz der Credit Suisse im Februar 2020.
Bild: Bloomberg

Der Chef der Credit Suisse, der nach dem Kollaps des Hedgefonds Archegos Capital mit den Aufräumarbeiten befasst ist, hatte am Dienstagabend Dutzende Managing Directors zu einer Telefonkonferenz eingeladen. Wie zu hören ist, wurde Gottstein dabei zum Risikoprofil der Bank ausgefragt und dazu, warum sie bei dem Debakel so viel mehr als ihre Konkurrenten verloren hat.

Detaillierte Antworten konnte Gottstein noch nicht geben. Stattdessen verwies er auf den Amtsantritt des neuen Verwaltungsratschefs Antonio Horta-Osorio im Monatsverlauf. Sein Start biete der Schweizer Bank die Chance zur Strategie-Überprüfung, meinte Gottstein. Die Credit Suisse wollte sich zu der Telefonkonferenz nicht äussern.

Angesichts drohender Verluste von bis zu 4,7 Milliarden Dollar sehen sich Starhändler, Dealmaker und Privatbankern mit einem Doppelschlag konfrontiert. Die Aktien, die sie gerade erst als Bonus für das letzte Jahr erhalten haben, sind bereits um etwa 20 Prozent gefallen. Zudem wurden die Gewinne eines hervorragenden ersten Quartals durch die massive Archegos-Belastung zunichte gemacht. Dies bedeutet, dass die Prämien für das Jahr 2021 möglicherweise schmaler ausfallen werden.

Es sind nicht nur die Mitarbeiter, die Gottstein unter Druck setzen. Es war offenbar sein Verwaltungsrat und nicht Gottstein selbst, der die Entscheidung traf, Risikochefin Lara Warner und Investmentbankchef Brian Chin zu ersetzen, sagte eine andere mit der Situation vertraute Person. Das oberste Kontrollgremium der Bank drängt auf eine breitere Strategieüberprüfung, die über die Sparten hinausgeht, die jetzt in Schwierigkeiten geraten sind.

Müssen Kunden für Greensill-Verluste bluten?

Gottstein und das Topmanagement der Bank riskieren bereits die Kunden gegen sich aufzubringen, die vom Greensill-Skandal betroffen sind. Wie Bloomberg unter Berufung auf informierte Kreise berichtete, scheint die Bank die Verluste von Fonds, die mit der Firma des ehemaligen Milliardärs Lex Greensill betrieben wurden, den Kunden aufbürden zu wollen, eine Kehrtwende nach früheren Versprechungen, für den Schaden einzustehen.

Über der langjährigen “One Bank”-Strategie, Produkte aus der Investmentbank, dem Wealth Management und dem Asset Management an dieselbe Kundengruppe zu verkaufen, hängen inzwischen grosse Fragezeichen. Offen bleibt zudem die Zukunft der Vermögensverwaltung, deren Trennung vom Rest der Bank Gottstein vorgeschlagen hat.

“Bei der Credit Suisse ist ein radikaler Wandel dringend nötig”, schrieb Kepler-Cheuvreux-Analyst Nicolas Payen in einer Notiz an Kunden und fügte hinzu, dass die Bank ihr Risikorahmenwerk und ihre Strategie ändern müsse. “Das Schlimmste für die Credit Suisse wäre aus unserer Sicht jetzt der Status quo mit nur kosmetischen Änderungen.”

(Bloomberg)