Banken - Stimmrechtsberater will Credit-Suisse-Verwaltungsrat abwählen

Nach den milliardenschweren Fehlschlägen rund um Greensill Capital und Archegos Capital nehmen die Credit-Suisse-Aktionäre den Verwaltungsrat der Bank ins Visier.
13.04.2021 12:43
Uetlihof-Bürogebäude der Credit Suisse in Zürich.
Uetlihof-Bürogebäude der Credit Suisse in Zürich.
Bild: cash

Der Stimmrechtsberater Glass Lewis sprach sich gegen die Wiederwahl von Andreas Gottschling in den Credit-Suisse-Verwaltungsrat aus, hieß es in einer der Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag vorliegenden Mitteilung von Glass Lewis. Den Aktionären wäre mit einem neuen Vorsitzenden des Risiko-Ausschusses in dem Gremium besser gedient. Der Entscheid zu dem früheren Manager der österreichischen Erste Group Bank steht auf der Generalversammlung vom 30. April an. Credit Suisse wollte sich nicht äußern.

Mit Maßnahmen wie der Absetzung der Risiko-Chefin und des Investmentbanking-Chefs habe der Verwaltungsrat zwar rasch auf die Vorfälle reagiert, erklärte der Stimmrechtsberater. Dennoch sei es gerechtfertigt, auch den Risikoausschuss des Verwaltungsrates in die Verantwortung zu nehmen. "Wir glauben, dass der Kandidat Andreas Gottschling als Vorsitzender dieses Ausschusses auf Verwaltungsratsstufe letztlich die Verantwortung trägt." Credit Suisse habe einen erheblichen finanziellen und Reputationsschaden erlitten.

Das Fass zum Überlaufen brachte der Zusammenbruch des US-Hedgefonds Archegos, der der Bank einen Kreditverlust von 4,4 Milliarden Franken einbrockte. Wenige Wochen davor musste Credit Suisse die Not-Abwicklung von vier gemeinsam mit der ebenfalls kollabierten Greensill Capital betriebenen Fonds einleiten. Als Folge des Archegos-Debakels verliert die Geschäftsleitung nun ihre Boni. Doch nun trifft es auch weitere Teile der Belegschaft. Wie die "Financial Times" unter Berufung auf Insider berichtete, sollen insgesamt Boni im Volumen von mehreren Hundert Millionen Dollar gestrichen werden.

Bei der Auflösung der vier Lieferketten-Finanzierungs-Fonds macht Credit Suisse immerhin Fortschritte. Die Bank teilte am Dienstag mit, dass sie erneut Bargeld an die Anleger ausschüttet. Die zweite Liquidations-Tranche belaufe sich auf 1,7 Milliarden Dollar. Die bisherige Gesamtausschüttung summiere sich damit auf 4,8 Milliarden Dollar. Credit Suisse arbeite daran, weitere Auszahlungen an die gut 1000 Profi-Anleger vorzunehmen.

Als das Institut die Fonds Anfang März einfror, stand deren Gesamtvolumen bei rund zehn Milliarden Dollar. Auslöser der Liquidation war die Entscheidung des japanischen Versicherers Tokio Marine, Schuldpapiere von Greensill Capital nicht mehr zu versichern, die in den Credit-Suisse-Fonds stecken. Greensill reichte inzwischen einen Insolvenz-Antrag ein.

Credit Suisse befinde sich im Austausch mit den Insolvenzverwaltern von Greensill Capital (UK), Grant Thornton, und gehe bei Bedarf säumige Schuldner direkt an, erklärte die Bank. Zu den größten Schuldnern der Credit-Suisse-Fonds gehört die GFG Alliance des Stahlmagnaten Sanjeev Gupta mit 1,2 Milliarden Dollar. Gupta erklärte Anfang des Monats, er schulde Greensill Capital "viele Milliarden".

Bis Ende April wolle die Bank über weitere Fortschritte informieren. "Ich bin zuversichtlich, dass ein großer Teil der Forderungen zurück in die Fonds fließen wird", sagte Konzernchef Thomas Gottstein vergangene Woche der "Neuen Zürcher Zeitung". "Es wird aber mehrere Monate dauern." Früheren Angaben von Insidern zufolge könnten am Schluss eine bis zwei Milliarden Dollar fehlen. Je nach Größe der möglichen Lücke und Bedeutung des Kunden prüft das Institut Teil-Entschädigungen, wie mit der Sache vertraute Personen gesagt hatten. 

(Reuters)