Banken - «Wir sollten nicht Tag für Tag auf den Aktienkurs schauen»

Urs Rohner, Verwaltungsratspräsident der Credit Suisse, war am Dienstagabend Talk-Gast im Pressehaus Ringier und äusserte sich zur Lage und Strategie der Grossbank. cash.ch übertrug den Anlass live.
13.11.2018 21:29
Von Daniel Hügli
«Wir sollten nicht Tag für Tag auf den Aktienkurs schauen»
Bild: ZVG

Es ist keine erfreuliche Sache für Investoren der Credit Suisse (CS): Die Aktie der zweitgrössten Schweizer Bank befindet sich auf dem tiefsten Stand seit genau zwei Jahren. Das liegt nicht so sehr an den Drittquartalszahlen der CS Ende Oktober, die zwar eine Gewinnsteigerung brachten, aber ebenso einen deutlichen Rückgang bei den Erträgen.

Die CS ist bei der Aktienkursentwicklung vielmehr in «schlechter» Gesellschaft: Fast alle europäischen Bankaktien handeln derzeit unter dem Stand von Anfang Jahr. Und wie die CS befindet sich auch der Aktienkurs der UBS derzeit auf dem Niveau von Ende 2016.

Getrübte Aussichten für Banken

Befragt zur CS-Aktienkursentwicklung gibt sich Urs Rohner, Verwaltungsratspräsident der Credit Suisse, einigermassen entspannt. "Wir sollten nicht Tag für Tag auf den Aktienkurs schauen, obwohl ich das natürlich mache", sagte Rohner am Dienstagabend im Rahmen der Gesprächsreihe «TheTalk@TheStudio» im Ringier Pressehaus in Zürich. "Wenn wir Quartal für Quartal unsere Ziele erreichen", und dies sei der CS in den letzten Quartalen gelungen, dann werde sich dies mit der Zeit auch im Aktienkurs widerspiegeln.

Die Tatsache, dass die Kurse der Banken Europas in diesem Jahr weit hinter derjenigen der Finanzinstitute der USA liegen, sieht Rohner, der seit 2011 VR-Präsident der CS ist, in der unterschiedlichen makroökonomischen Entwicklung der beiden Regionen. In den USA erlaube die wirtschaftliche Entwicklung seit längerem Zinserhöhungen der Zentralbank. Das sei in Europa noch nicht der Fall. Das Negativzinsumfeld in der Schweiz bezeichnete Rohner auch als "belastend". Doch auch in Europa sehe man einen "Trend zum Besseren". 

Jurist Rohner ist kein Banker im klassischen Sinn: Von 2000 bis 2004 war er CEO von Pro­Sie­ben­Sat.1 Me­dia AG. Von 1992 bis 1999 war er Part­ner bei der An­walts­kanz­lei Lenz & Sta­e­he­lin. Erst 2004 erfolgte der Eintritt in die Credit Suisse. Bis 2009 war er deren Chefjurist. 

"Restrukturierung ging an die Substanz"

Rohner war es, der vor drei Jahren Tidjane Thiam zur Grossbank holte und ihn als CEO vorschlug. Unter der Führung des Ivorers konnte die Bank Fortschritte erzielen. Die Kapitaldecke ist gestärkt, Altlasten wurde beiseite geschafft, die Restrukturierung ist fast abgeschlossen. Thiam ist somit auf gutem Weg, dass die CS unter seiner Führung erstmals einen Jahresgewinn ausweist.

Rohner gab im Talk zu, dass der Prozess der "Restrukturierung der letzten drei Jahre an die Substanz ging und teilweise auch an die Nerven der Leute". Doch diese Phase sei nun am Jahresende vorbei. Rohner verwies auf Kosteneinsparungen in der Höhe von rund 4,5 Milliarden Franken und auf gestiegene Erträge. Allerdings beträgt das Kosten-Ertrags-Verhältnis, das die Effizienz eines Unternehmens zeigt, bei der Credit Suisse noch immer fast 80 Prozent, was sehr hoch ist.

Und die Zukunft für europäische Grossbanken ist keineswegs rosig, wie eine Studie des Banken-Strategieberaters ZEB im September zeigte. Mittelfristig droht demnach den Instituten ein Rückgang der Gewinne. Laut ZEB werden nur acht der 50 grössten Banken genügend Profite erzielen, um die Kapitalkosten zu decken. Die CS und die UBS sind nicht darunter. Druck kommt besonders vom Tiefzinsumfeld und von der Regulierung.

Ob in seinem solchen Umfeld Banking überhaupt noch Spass mache, fragte Moderatorin Christine Maier den obersten CS-Chef. Rohner sagte, er habe die einmalige Chance, als zentrale Stelle in einem sich erheblich veränderndem Umfeld mitzuwirken.

"Wir betreiben heute bei der CS kein Geschäft mehr so wie zur Zeit, als ich Verwaltungsratspräsident wurde." Die Credit Suisse hat, mit einigem zeitlichen Abstand zur UBS, in den letzten Jahren das Investmentbanking zurückgefahren und das Vermögensverwaltungsbusiness wie auch das Schweizer Geschäft ausgebaut.

Rohner war früher übrigens ein ausgezeichneter Leichtathlet, so war er zweimal Schweizer Meister über 110 Meter Hürden. Im Ringier-Talk, der vom Versicherer Helvetia getragen wird, bezeichnete sich Rohner als "ehrgeizig". Seine Karriere habe er aber nie geplant.