«Barofferte für Vögele ein Hohn für langjährige Aktionäre»

Eine Investorengruppe um den Rivalen OVS legt den Aktionären des Modekonzerns Charles Vögele ein Barangebot vor. Händler stufen dieses allerdings als nicht gerade attraktiv ein.
19.09.2016 08:37
Von Lorenz Burkhalter
Das Modegeschäft ist ein schwieriges Pflaster geworden.
Das Modegeschäft ist ein schwieriges Pflaster geworden.
Bild: iNg

Was die Spatzen in Zürich schon seit Monaten von den Dächern pfeifen, ist seit dem frühen Montagmorgen offiziell: Der italienische Modekonzern OVS und zwei weitere Investoren unterbreiten den Aktionären von Charles Vögele ein Barangebot.

Wer sich nun aber das grosse Geld erhofft, der wird enttäuscht. Im Raum steht nämlich ein Angebotspreis von 6,38 Franken je Inhaberaktie. Das entspricht einem Aufschlag von gerademal etwas mehr als 2 Prozent gegenüber dem Schlussstand vom Freitag.

Zum Vergleich: Anfang Januar kostete die Aktie noch fast 9 Franken. Allerdings ist die Aktie des traditionsreichen Modehauses Charles Vögele schon seit Jahren bloss noch ein Schatten ihrer selbst. Kurz nach der Publikumsöffnung im Jahre 1999 notierte die Aktie nämlich einst sogar 350 Franken.

Erfolg des Barangebots alles andere als sicher

Umso überraschender ist für Beobachter, dass der Verwaltungsrat von Charles Vögele den Aktionären das vorliegende Angebot zur Annahme empfiehlt. Die Barofferte sei ein Hohn für langjährige Aktionäre, so heisst es im hiesigen Aktienhandel.

Kursentwicklung der Vögele-Aktie während der letzten fünf Jahre, Quelle: www.cash.ch

Gerade der Migros Genossenschaftsbund, er hält offiziell noch 4,75 Prozent der Stimmen, dürfte sich nicht einfach so abspeisen lassen. Einst vereinte der "orange Riese" mehr als jedes vierte Stimmrecht auf sich. Auch der Aspen Trust, ihm wird eine Nähe zu den Sandoz-Erben nachgesagt, hat mit seiner 15,1-Prozent-Beteiligung ein entscheidendes Wort mitzureden. Der Erfolg der Barofferte ist deshalb alles andere als sicher und eine nachträgliche Nachbesserung oder ein Gegenangebot nicht auszuschliessen.

Neben dem Filialnetz werden vor allem die steuerlich abzugsfähigen Verlustvorträge als Attraktion für den italienischen Interessenten oder einen möglichen Dritten bezeichnet. Was das Liegenschaftenportfolio von Charles Vögele anbetrifft, so gilt dieses in Expertenkreisen als hypothekarisch belehnt.

Bei der Zürcher Kantonalbank wird die Übernahmeprämie von 2,1 Prozent als "mager" bezeichnet. Allerdings hätten der Trend zu mehr Onlineeinkäufen, die grössere Preistransparenz im Internet und der Schweizer Einkaufstourismus im Ausland die Konditionen in den letzten Jahren verschärft und den Turnaround bei Charles Vögele erschwert. Vor diesem Hintergrund sei das Kaufangebot wohl auch für die Aktionäre ein "letzter Ausweg". Positivere Worte findet der für Vontobel tätige Analyst. Er begrüsst, dass eine Lösung für den Modekonzern gefunden werden konnte und bezeichnet das Angebot als fair. Die Vögele-Aktie wird bei der Zürcher Bank schon seit längerer Zeit nur mit "Hold" eingestuft. Neu lautet das Kursziel 6,38 (5) Franken - im Einklang mit der Barofferte.

Eine lange Liste ehemaliger Grossaktionäre

Jetzt an der Börse auf eine Nachbesserung oder auf ein Gegenangebot zu wetten, bleibt allerdings höchst spekulativ. Erst vor knapp einem Monat warnte Charles Vögele vor einem auch in der zweiten Jahreshälfte anspruchsvollen Umfeld. Der Modekonzern erachtet das sich selber gesteckte Ziel eines positiven Jahresergebnisses auf Stufe des operativen Gewinns (EBITDA) deswegen nur mittels von Liegenschaftsverkäufen als erreichbar.

Es hat sich rückblickend schon so mancher bekannte Investor die Finger an diesem Unternehmen verbrannt. Die Liste ehemaliger Grossaktionäre liest sich wie das "Wer ist wer" der Finanzwelt. Der Hedgefonds Laxey Partners gab sich in der Vergangenheit genauso die Ehre wie der Tessiner Financier Tito Tettamanti. Geld verdienten wohl nur die wenigsten.