BASF hoffe, dass das Evonik-Management auf dieser Basis nun in Verhandlungen über eine Übernahme einsteige. Angesichts des vorherigen Gebots über 22,15 Euro je Aktie hatte Evonik Gespräche abgelehnt und vorher eine Aufstockung gefordert. Man werde die Offerte prüfen, sagte ein zweiter Insider. BASF hatte bisher Gespräche mit dem Vorstand und Einblick in die Bücher zur Bedingung für ein höheres Angebot gemacht.
Die Nachrichtenagentur Bloomberg hatte als erste über die Erhöhung berichtet. Sprecher von BASF und Evonik wollten sich dazu nicht äussern. Auch der Evonik-Grossaktionär, die RAG-Stiftung, lehnte eine Stellungnahme ab. Die Zustimmung der mit 43 Prozent an Evonik beteiligten Stiftung, deren Kuratorium von der Politik und den Gewerkschaften geprägt ist, gilt als Schlüssel dafür, ob die Übernahme zustande kommt. Sie hat BASF für Verhandlungen an den Evonik-Vorstand verwiesen. Die Evonik-Aktie stieg um 3,4 Prozent auf 21,40 Euro, blieb damit aber deutlich unter der neuen Offerte.
BASF-Chef Markus Kamieth hatte sich am Donnerstag erstmals öffentlich in einer Videobotschaft zu den Plänen mit Evonik geäussert und die Übernahme als «starke deutsche Antwort auf den globalen Wettbewerb» bezeichnet. Angesichts der wachsenden Konkurrenz aus Asien und dem Nahen Osten müsse sich die deutsche Industrie konsolidieren, bevor sie von ausländischen Investoren aufgekauft werde. Kamieth bekannte sich dabei auch zu einem Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen bis 2032. BASF werde sich an alle Tarifverträge halten. Evonik befindet sich in einem tiefgreifenden Umbau, in dessen Zuge bis 2029 Tausende Stellen wegfallen könnten.
Nordrhein-Westfalen bliebe als Standort auch nach einem Verkauf an BASF wichtig. Mindestens ein Vorstandsressort soll dort angesiedelt werden. Anders als Evonik könnte sich BASF vorstellen, Chemieparks mit rund 3500 Beschäftigten in Marl und Wesseling selbst weiter zu betreiben.
Stirnrunzeln über Ashland-Pläne
Aufgeschreckt worden war BASF zugleich vom Interesse Evoniks an einem milliardenschweren Zukauf in den USA. Dort steht der Konkurrent Ashland zum Verkauf, der an der New Yorker Börse mit 3,3 Milliarden Dollar bewertet wird. Evonik beteuert zwar Insidern zufolge, dass die Übernahme nicht als «Giftpille» zur Abwehr der Übernahme gedacht sei, zumal der Verkaufsprozess schon vor dem BASF-Vorstoss begonnen habe.
Die Ludwigshafener hielten den Zukauf aber für zu teuer und riskant, wie ein Insider sagte.
(Reuters)

