Die Industrie stelle sich darauf ein, dass die Bedrohung anhalte und die Angriffsmethoden vielfältiger würden, sagte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) Holger Lösch der Zeitung «Handelsblatt» (Montagausgabe) einem Vorabbericht zufolge. Unternehmen gerieten nicht zufällig ins Visier.
Russische Einfluss- und Sabotageaktivitäten seien längst kein abstraktes Szenario mehr. Unternehmen, kritische Infrastrukturen und verteidigungsrelevante Lieferketten stünden bereits heute im Fokus der Angriffe. Eine leistungsfähige Industrie sei die Voraussetzung für die Verteidigungsfähigkeit, Versorgungssicherheit und staatliche Handlungsfähigkeit.
Der Schutz der Wirtschaft müsse deshalb ein Grundbaustein der nationalen Sicherheit sein und politische Priorität haben, forderte Lösch vor dem Hintergrund der jüngsten Russlandwarnung des Bundesnachrichtendienstes (BND). Es brauche eingespielte Prozesse und einen engen Austausch zwischen Staat und Wirtschaft, da sich Art und Ziel möglicher Angriffe nur schwer vorhersagen liessen.
Der Verband sehe bei der Abwehr jedoch erhebliche Defizite. Die grösste Schutzlücke liege beim Übergang von Warnungen der Sicherheitsbehörden zum Handeln. Unternehmen würden zwar zunehmend über Gefährdungen informiert und die Zusammenarbeit mit den Behörden habe sich deutlich verbessert. «Was weiterhin fehlt, sind gemeinsame Verfahren, um aus Warnungen schnell konkrete Massnahmen abzuleiten», sagte Lösch.
(Reuters)

