Bei den Rohstoffanlagen sind neue Wege gefragt

Die Rohstoff-Fonds haben den Anlegern in den letzten Jahren satte Renditen gebracht. Naht nun das Ende des Superzyklus’?
09.02.2013 13:00
Von Markus Baumgartner
Weizen: Investitionen in Agrarrohstoffe sind umstritten.
Weizen: Investitionen in Agrarrohstoffe sind umstritten.
Bild: Bloomberg

Dieser Beitrag ist Teil des Magazins cash VALUE "Fonds". Das Magazin kann hier als PDF heruntergeladen werden.

Alternative Anlagen wie Rohstoffe (oder englisch: Commodities) werden häufig als besonders volatile Anlageklasse bezeichnet. Doch in der letzten Dekade gab es bei der Rohstoff-Preisentwicklung fast nur eine Richtung: nach oben. Investment-Guru Jim Rogers hatte 1998 den Begriff eines Rohstoff-Superzyklus geschaffen. Seither sind die Preise für Metalle, Energieträger und Agrarrohstoffe in neun von zwölf Jahren gestiegen. Ein Superzyklus unterscheidet sich von kurzfristigen Preisschwankungen dadurch, dass der Aufschwung zwischen 10 und 35 Jahre dauern kann. 

Nun wird in der Branche und unter Investoren diskutiert, ob das Ende schon da ist. «Der Rohstoffmarkt befindet sich preislich in einem Superzyklus, der langsam zu Ende geht», sagt dazu Christian Gattiker, Chefstratege der Bank Julius Bär

Rohstoffanlagen werden von lang- zu kurzfristig

Der Hintergrund: Inzwischen sei Infrastruktur für die steigende Nachfrage vorhanden, und Chinas Wirtschaft wächst nicht mehr gleich stark. Gattiker: «Das wirkt sich entspannend auf die Preise aus.» Das hat Folgen für den Anlagehorizont der Investoren: «Rohstoffe sind aber keine Anlagen mehr, die man einfach kauft und hält», so Gattiker. Das heisst: Die Rohstoffmärkte werden wieder volatiler und unterscheiden sich auch wieder stärker in den verschiedenen Rohstoffarten, wie das bereits zwischen 1980 und 2000 der Fall war. 

Ivan Glasenberg, CEO des weltgrössten Rohstoffhändlers Glencore, spricht in Sachen Rohstoffe demgegenüber nie von einem Superzyklus. Es sei die grundlegende Nachfrage nach Rohwaren, die robust bleibe. Mit Rohstoffen könne man auch heute noch sehr viel Geld verdienen. Grund ist mitunter die expansive Geldpolitik der Zentralbanken. «Die Rückkehr der Inflationsangst dürfte wie in den 1970er-Jahren der Preistreiber in der letzten Phase der Rohstoff-Hausse sein», prognostiziert auch Peter Frech, Fondsmanager bei Quantex in Zürich. 

Umstrittene Spekulationen - zu Recht oder zu Unrecht?

Der Handel mit Agrarrohstoffen ist aber seit je umstritten, weil sich hohe Nahrungsmittelpreise negativ auf die arme Bevölkerung in den Entwicklungsländern auswirken können. So stoppten in jüngster Zeit einige Fondshäuser die Investitionen in Nahrungsmittel-Rohstoffe. Rogers sieht das anders: «Wenn wir die Preise für Lebensmittel nicht drastisch erhöhen, haben wir bald keine Bauern mehr. Diese können nur hoffen, dass böse Spekulanten in die Landwirtschaft investieren und so die Preise in die Höhe treiben. Wer sonst soll das Land beackern?» 

Rohstoffanlagen können einen wichtigen Diversifikationsbeitrag in einem Portfolio leisten. Sie dienen als Schutz vor Inflation und Ereignisrisiken. Die Märkte im Bereich Rohwaren sind aber wegen all der Einflüsse durch Wetter und Politik und der Eigenheiten der Terminkurve relativ trickreich. Diesbezüglich sind Anlagen in simpel konstruierten Rohstoff-Futures-ETF und -Zertifikaten eher gefährlich. Ein aktiv gemanagter Futures-Fonds ist einem passiven ETF wegen der Rollover-Probleme meist überlegen. Ein Vergleich von Morningstar von 759 Fonds in der Schweiz zeigt, dass abgesehen von reinen Edelmetallprodukten die besten Rohstoff-Fonds in den letzten drei Jahren rund 10 Prozent Rendite erzielt haben.