«Trotz der anhaltenden geopolitischen Unsicherheit und Störungen hat sich der Welthandel als bemerkenswert widerstandsfähig erwiesen», erklärte Maersk-Chef Vincent Clerc am Donnerstag bei Vorlage der jüngsten Quartalszahlen. «Angetrieben wird die Nachfrage nicht nur von den Konsumausgaben, sondern zunehmend auch von Grossinvestitionen in Elektrifizierung, Energie und den rasanten Ausbau der KI-Infrastruktur.» Dies sorge für erhebliche industrielle Frachtströme. Die Maersk-Flotte sei voll im Einsatz, auf einigen Routen übersteige die Nachfrage aber die Kapazitäten. Maersk kommen schon länger hohe Frachtraten zugute.
Die wachsende Nachfrage im Zuge des florierenden Geschäfts mit dem KI-Ausbau brachte Maersk im dritten Quartal einen Anstieg des operativen Gewinns (Ebitda) von über 75 Prozent auf 4,7 Milliarden Dollar. Analysten hatten der nach MSC zweitgrössten Containerreederei der Welt allerdings sogar fünf Milliarden zugetraut. Weil die in Privatbesitz befindliche MSC eher schweigsam ist, gilt die börsennotierte Reederei Maersk als wichtiges Stimmungsbarometer für den Welthandel.
Bereits zum dritten Mal in diesem Jahr hob Maersk am Donnerstag die Gewinnprognose für 2026 an: Die Dänen erwarten nun ein bereinigtes Ebitda von 14,0 bis 14,5 Milliarden Dollar - nach zuletzt 10,5 bis 12,6 Milliarden. Ende September hatte auch Deutschlands grösste Containerreederei Hapag-Lloyd, die mit Maersk auf einigen Routen kooperiert, ihre Gewinnprognose für das Gesamtjahr angehoben.
Spotraten China-USA auf Corona-Level
Die Schifffahrt navigiert schon seit Jahren im Sturm internationaler Konflikte, die den Verkehr auf wichtigen Seewegen wie der Strasse von Hormus und dem Suezkanal stark einschränken. Im Fall des an das Rote Meer grenzenden Suezkanals fahren die Schiffe Umwege um die Südspitze Afrikas, was die Kosten und den CO2-Ausstoss der Schiffe - aber eben auch die Frachtraten - in die Höhe treibt.
Die Spotfrachtraten für Container aus China auf dem Weg an die US-Ostküste haben inzwischen wieder das Niveau aus der Zeit erreicht, als die Corona-Pandemie den Welthandel komplett aus dem Tritt gebracht hatte. Wegen der durch den Iran-Krieg steigenden Treibstoffkosten könnten die Preise sogar neue Rekordwerte markieren. Experten rechnen jedoch damit, dass eine Normalisierung des Verkehrs im Roten Meer die Frachtraten erheblich unter Druck setzen könnte könnte.
Maersk und Hapag-Lloyd wagen sich wie andere Grossreedereien auch schrittweise in den Suezkanal zurück. Erst am Montag kündigte Maersk an, dass zusammen mit Hapag-Lloyd eine weitere Verbindung auf dem kürzesten Seeweg zwischen Europa und Asien wieder aufgenommen werden soll. Hapag-Lloyd legt in einer Woche die neuesten Quartalszahlen vor.
(Reuters)

