Bell-Chef  - «Wollen beim Fleischersatz bedeutender europäischer Anbieter werden»

Der Fleischverarbeiter Bell setzt zunehmend auf Fleischersatz. In einem Interview mit der «SonntagsZeitung» formuliert Bell-Chef Lorenz Wyss hohe Ziele.
06.10.2019 16:45
Neben Cervelats will Bell in Zukunft verstärkt auf Fleischersatzprodukte setzen.
Neben Cervelats will Bell in Zukunft verstärkt auf Fleischersatzprodukte setzen.
Bild: ZVG

Der eigene Pflanzenburger soll spätestens Anfang des nächsten Jahres in die Coop-Regale kommen. Coop - zugleich Hauptaktionärin von Bell - hat bereits die Konkurrenzprodukte von Beyond und Nestlé im Angebot. "Unser Burger schmeckt mindestens ebenso gut", sagte Wyss dazu. Zudem habe Bell immer gesagt, dass man mit dem Burger zuerst in die Gastronomie wolle und dann in den Detailhandel.

Darauf angesprochen, ob der Burger optisch zu wenig überzeugt habe, erklärte er: "Die erste Version war tatsächlich etwas blass." Der Green Mountain Burger der zweiten Generation sei aber schön rot. Wyss hofft zudem, auch mit grossen Restaurant-Ketten wie McDonald's ins Geschäft zu kommen.

Investition in Laborfleisch

Vor einem Jahr ist Bell zudem mit einer Beteiligung am niederländischen Unternehmen auch in den Markt für Laborfleisch eingestiegen. Bell wolle dabei sein, wenn Laborfleisch zum Erfolg werde. "Bei uns war die Investition von zwei Millionen Franken intern zunächst umstritten", räumte Wyss aber ein.

Er glaube aber solche Produkte hätten eine Chance auf dem Markt, wenn es gelinge, das Preisniveau auf leicht über dem von herkömmlichen Fleisch zu bringen. "Konsumenten sind bereit, etwas mehr zu bezahlen, wenn für ihr Fleisch kein Tier geschlachtet wird."

Bell bekommt derzeit den gesellschaftlichen Gegenwind in Sachen Fleischkonsum zu spüren. Vor allem junge Menschen würden weniger Fleisch essen, so der Bell-Chef. Aber auch beim internen Nachwuchs gibt es Probleme: "Wir können seit Jahren nicht mehr alle Lehrstellen besetzen. Metzger und Köche sind vom Aussterben bedroht." Der Beruf sei hart. Auf dem Land sei es einfacher, Nachwuchs zu begeistern als etwa in Basel.

(AWP)