In einer neuen Branchenstudie vergibt die Privatbank Berenberg den Aktien von Zurich Insurance Bestnoten. Ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 20 sei das neue 12 - so die Kernaussage der Analyse.

Laut den Verfassern des Reports sollten vier europäische Versicherer - darunter Zurich Insurance - mit einem KGV von 20 auf die Ergebnisse für 2028 gehandelt werden, und nicht wie bisher mit einem KGV von 12. Das Kurspotenzial schätzen sie damit auf über 60 Prozent.

Die Neubewertung begründet Berenberg mit strukturellen Veränderungen im Geschäftsmodell. Zum einen profitiere der Versicherungssektor in Europa von einer zunehmenden Marktkonzentration, insbesondere in der Schaden- und Unfallversicherung. Zum anderen verbessere Zurich gezielt seine Kapitalallokation, indem vermehrt in das weniger kapitalintensive und renditestärkere Lebensversicherungsgeschäft investiert werde. Dadurch werde Kapital freigesetzt, das effizienter eingesetzt werden könne. Hinzu kommt das aktuell höhere Zinsumfeld, das sich positiv auf die Kapitalgenerierung auswirkt.

Zusammengenommen dürften diese Faktoren nicht nur die Profitabilität steigern, sondern auch stärkere Anreize für das Management schaffen, überschüssiges Kapital über steigende Dividenden und Aktienrückkäufe an die Aktionäre zurückzuführen. Zusätzlichen Rückenwind sehen die Analysten in der Übernahme von Beazley, die sich ab 2027 positiv auf die Gewinnentwicklung auswirken und eine zweistellige Rendite auf das eingesetzte Kapital erzielen dürfte. 

Gleichzeitig verfüge Zurich mit einer Solvenzquote von 265 Prozent über erheblichen finanziellen Spielraum - sowohl für weitere Akquisitionen als auch für eine attraktive Ausschüttungspolitik. Die Dividende könnte laut Berenberg künftig knapp 7 Prozent höher ausfallen als bislang vom Markt erwartet. Auch günstigere Konditionen im Rückversicherungsgeschäft dürften die Risikodeckung weiter verbessern.

Die Aktie sei daher klar unterbewertet. Die Privatbank bestätigt die Kaufempfehlung und erhöht das Kursziel von 711 auf 902 Franken. Aktuell notieren die Aktien bei 566 Franken.

Mit dieser Einschätzung stellt Berenberg das mit Abstand höchste Kursziel im Markt bereit. Die Research-Boutique Day by Day sieht das zweithöchste Kursziel bei 664 Franken, die italienische Bank Intesa Sanpaolo das dritthöchste bei 640 Franken. Der Marktkonsens liegt bei 571 Franken - also nur 0,7 Prozent über dem aktuellen Kursniveau.

Auch bei den Empfehlungen zeigt sich ein gemischtes Bild. Während fünf Analystinnen und Analysten zum Kauf raten, empfehlen sieben ein Halten und vier ein Verkaufen. Anzumerken ist jedoch, dass sich seit Dezember 2025 die Verkaufsempfehlungen von damals zehn auf vier deutlich verringert haben, während sich die Kaufempfehlungen von drei auf fünf fast verdoppelt haben.

Luca_Niederkofler
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