Der Hedgefonds-Manager Lee Robinson erzielte in der Finanzkrise einen spektakulären Gewinn von rund 900 Prozent, indem er 20 Millionen US-Dollar durch Wetten gegen den US-Subprime-Markt in etwa 200 Millionen verwandelte.

Heute sieht er erneut ein ähnliches Setup – nicht im Subprime-Markt selbst, sondern im Umfeld von Private Credit. Statt direkt dagegen zu wetten, setzt er auf Zweitrundeneffekte und geht über Credit Default Swaps short auf grosse Versicherer wie Lincoln National, MetLife und sogar Berkshire Hathaway.

Robinson baut diese Positionen über CDS gezielt aus und startet mit seiner Firma Altana einen neuen Fonds, der auch eigenes Kapital einsetzt. Sein Szenario: ein Abschwung im 1,8-Billionen-Dollar-Private-Credit-Markt, ein Abkühlen des KI-getriebenen Kreditbooms und sinkende Liquidität, die Bewertungen unter Druck setzt.

Die Parallele zur Finanzkrise sieht er in der aktuellen Ruhe an den Märkten trotz wachsender Risiken. «Im August 2008 haben wir uns die Haare gerauft und uns gefragt, wie um alles in der Welt die Volatilität so niedrig sein kann», sagt Robinson. «Es fühlt sich jetzt ein bisschen so an.»

Dabei geht es ihm nicht um die Insolvenzgefahr einzelner Versicherer, sondern um falsch bepreiste Risiken in einem noch wenig getesteten Marktsegment. Besonders Lebensversicherer haben ihre Allokation in Private Credit stark erhöht – oft im Investment-Grade-Bereich.

Zunehmende Marktaktivität rund um Versicherer-CDS

Der Trend bleibt nicht unbemerkt: Auch andere Hedgefonds und Banken wie JPMorgan Chase und Goldman Sachs strukturieren zunehmend Produkte rund um Versicherer-CDS. Die Netto-Short-Positionen auf US-Versicherungs-CDS stiegen laut DTCC auf 5,5 Milliarden US-Dollar.

Parallel haben sich die CDS-Spreads vieler Versicherer ausgeweitet, bleiben aber historisch relativ eng – was aus Sicht von Short-Sellern weiteres Potenzial lässt. Selbst die European Central Bank warnte bereits vor möglichen Risiken im Sektor.

«Es wird mehr Schmerz für private und institutionelle Investoren geben, und Versicherungsunternehmen werden wahrscheinlich Teile ihrer Investments abschreiben müssen», sagt Mark Lieb von Spectrum Asset Management.

Risikowahrnehmung und Marktdynamik im Versicherungssektor

Robinson selbst ist ein erfahrener Distressed-Investor: Neben seinen erfolgreichen Subprime-Wetten 2008 erzielte er auch starke Renditen in späteren Strategien, etwa im Crypto-Bereich und bei Spezialsituationen wie Fannie Mae oder der Credit Suisse. Sein aktueller Fonds ist zusätzlich in CDS und Optionen auf Einzelwerte investiert.

Seine zentrale These bleibt: Der Private-Credit-Boom wurde durch regulatorische Verschiebungen nach der Finanzkrise ermöglicht – und hat Versicherer tief in illiquide Kredite geführt. Genau dort sieht er die Schwachstelle.

Oder, wie er es zuspitzt: Es brauche nur «irgendeinen einzelnen Ausfall», um Wellen durch die gesamte Branche zu schicken.

(Bloomberg/cash)