Beschattungsaffäre - Finma-Verfahren kann Folgen für die Credit Suisse haben - Börse bleibt entspannt

In der Beschattungsaffäre um den Star-Banker Iqbal Khan eröffnet die Finma ein Enforcementverfahren gegen dessen früheren Arbeitgeber Credit Suisse. Der Schritt kommt für Beobachter nicht überraschend.
02.09.2020 11:49
Von Lorenz Burkhalter
Am Sitz der Credit Suisse in Manhattan.
Am Sitz der Credit Suisse in Manhattan.
Bild: imago images / Becker Bredel

Die Beschattungsaffäre um den Star-Banker Iqbal Khan ist für die Credit Suisse nicht ausgestanden. Die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (Finma) eröffnet ein sogenanntes Enforcementverfahren gegen die Grossbank. Was genau Gegenstand des Verfahrens ist, darüber hüllt sich die Behörde in Schweigen. Es ist nicht unüblich, dass sich solche Enforcementverfahren über mehrere Monate hinweg ziehen.

Die Credit Suisse hatte Khan rund um seinen Übertritt zur Erzrivalin UBS durch Privatdetektive beschatten lassen. Die Beschattung flog allerdings auf und führte dazu, dass nebst anderen Führungskräften auch Firmenchef Tidjane Thiam den Hut nehmen musste.

Nachdem die Finma vor rund einem halben Jahr einen Prüfungsbeauftragten bei der Credit Suisse eingesetzt hatte, kommt das Enforcementverfahren für Beobachter nicht überraschend. Nichts desto trotz werden die Neuigkeiten als "ziemlich unangenehm" für die Grossbank bezeichnet. Die Credit Suisse selber will vollständig mit der Behörde kooperieren.

Grössere Kursverwerfungen bleiben fürs Erste aus

Wie aus den Handelsräumen hiesiger Banken verlautet, dürften sich mögliche finanzielle Folgen für die Beschuldigte in einem sehr geringen Rahmen bewegen. Vielmehr frage sich, ob die Affäre weitere personelle Konsequenzen haben könnte - beispielsweise für den nicht unumstrittenen Verwaltungsratspräsidenten Urs Rohner. Ende April wurde Rohner für eine letzte Amtsperiode wiedergewählt. Ausserdem könnte das Bild der Grossbank in der Öffentlichkeit unter dem Verfahren leiden.

Ein Enforcementverfahren dient der Durchsetzung von Aufsichtsrecht. Dazu stehen der Finma verschiedene Instrumente zur Verfügung. Sie reichen von vorsorglichen Massnahmen über Berufsverbote, Unterlassungsanweisungen und Tätigkeitsverbote bis hin zu Bewilligungsentzug, Liquidation und Konkurs.

Die Zürcher Kantonalbank glaubt allerdings nicht, dass der Credit Suisse gravierende Strafen auferlegt werden. Dementsprechend sieht sie weder bei ihren Schätzungen noch bei der "Marktgewichten" lautenden Einstufung für die Aktie der Grossbank einen Handlungsbedarf.

Zur Stunde notiert die Aktie der Credit Suisse gar um 0,9 Prozent höher bei 10 Franken. Mit einem Minus von 24 Prozent seit Jahresbeginn zählt die Aktie zu den Schlusslichtern unter den hiesigen Bankenvaloren.