Mit den Rückkäufen wollte US-Finanzminister Scott Bessent die langfristigen Kreditkosten eindämmen. Die Marktbewegungen senden eine klare Botschaft aus dem grössten Anleihemarkt der Welt: Eine ausserordentliche Anpassung der Rückkäufe reicht nicht aus. Die Sorgen der Investoren über steigende Staatsausgaben, hohe Investitionen und die anhaltend hohe Inflation sitzen zu tief.

Die Taktik von Bessent funktionierte nur kurz. Dann trieb der weltweite Ausverkauf an den Märkten die Refinanzierungskosten des Staates erneut nach oben. Bis Dienstag stiegen die Renditen 30-jähriger US-Staatsanleihen auf 5,27 Prozent. Das entspricht genau dem Stand vor der Ankündigung von Bessent vom 19. August.

«Der Zinsmarkt konnte keinen deutlichen Rückgang halten», sagt Mark Cabana, Leiter der US-Zinsstrategie bei der Bank of America. «Für so lange Laufzeiten verlangen die Anleger die höchste Entschädigung.»

Renditen von zehnjährigen Anleihen steigen auf 4,8 Prozent

Weltweit steigen die staatlichen Kreditkosten massiv an. Grund dafür ist die Forderung der Anleger nach einer höheren Prämie für das Halten langlaufender Schulden. Die Renditen der richtungsweisenden zehnjährigen US-Anleihen stiegen auf 4,80 Prozent. Das ist der höchste Stand seit Januar 2025, kurz vor der Rückkehr von Präsident Donald Trump ins Weisse Haus.

Die zweijährigen Renditen reagieren am stärksten auf die Aussichten der US-Notenbank Fed. Sie stiegen am Dienstag um sechs Basispunkte auf 4,40 Prozent. Händler preisen eine Chance von rund 70 Prozent ein, dass die Fed auf ihrer Sitzung diesen Monat die Zinsen zum ersten Mal seit 2023 anhebt. Die Renditen für 30-jährige Papiere lagen am Mittwochmorgen in Asien bei 5,29 Prozent und damit nahe am 19-Jahre-Hoch vor der Intervention des Finanzministeriums.

Unterdessen erreichten die 30-jährigen Renditen in Deutschland den höchsten Stand seit 2011. Die entsprechende britische Rendite stieg auf ein Niveau wie zuletzt 1998. Australische Anleihen markierten einen Rekordwert seit Beginn der Datenaufzeichnung im Jahr 2016. Auch die Rendite eines Bloomberg-Index für globale Staatsanleihen kletterte auf den höchsten Stand seit fast zwei Jahrzehnten.

Bloomberg-Stratege Brendan Fagan ordnet ein: «Rückkäufe ersetzen nicht die Arbeit, die für eine strukturelle Senkung der Renditen nötig ist. Die Industrieländer treten in eine Phase höherer Realzinsen ein. Treibende Kräfte sind ein stärkeres nominelles Wachstum, ein steigender neutraler Zins, massive Investitionen in künstliche Intelligenz und Produktivität sowie eine wachsende Zahl privater Emittenten, die mit US-Staatsanleihen konkurrieren. Das stellt Rückkäufe vor eine enorme Herausforderung.»

Finanzministerium will Transaktionen verdoppeln

Das bedeutet nicht, dass die Massnahmen des US-Finanzministeriums wirkungslos blieben. Die ausgeweiteten Rückkäufe beginnen erst am 9. September. Es ist noch unklar, wie viele Anleihen das Ministerium letztlich kauft. In der Ankündigung hiess es, man werde den Umfang der Transaktionen «mindestens verdoppeln», ohne eine genaue Summe zu nennen.

Verschiedene Marktindikatoren deuten zudem darauf hin, dass die langfristigen US-Kreditkosten ohne die Intervention noch höher lägen. So entwickelten sich US-Staatsanleihen seit der Ankündigung besser als Swaps mit vergleichbarer Laufzeit. Zudem stiegen die Renditen länger laufender Anleihen in diesem Zeitraum weniger stark als diejenigen kürzerer Laufzeiten.

Bessent bezeichnete seine Schritte als Versuch, einen aus den Fugen geratenen Markt wieder an seine Fundamentaldaten heranzuführen.

«Ich glaube nicht, dass ich den Gleichgewichtszins ändern kann. Aber ich kann die Entwicklung verlangsamen», sagte Bessent am Dienstag in einem Interview mit Newsmax. «Ich stelle sicher, dass es nicht zu einer schweren negativen Entwicklung kommt und dass alle Massnahmen auf Fakten basieren.»

Der jüngste Ausverkauf zeigt jedoch die schwierige Lage für Bessent. Er hatte betont, dem Finanzministerium stehe ein «grosser Werkzeugkasten» zur Verfügung, um die Kreditkosten unter Kontrolle zu halten.

Die Senkung der Renditen — und damit der Kosten für Hypotheken und andere Kredite — war ein erklärtes Ziel der Trump-Regierung seit Anfang letzten Jahres. Investoren betonen jedoch, dass die Ausgabenpolitik, die Steuersenkungen und der Konflikt mit dem Iran genau das Gegenteil bewirkt haben.

(Bloomberg/cash)
 

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