Beteiligungsnahme - Was steckt hinter dem Einstieg von Richemont bei Dufry?

Nach dem Einstieg der chinesischen HNA bringt sich jetzt auch der Luxusgüterkonzern Richemont bei Dufry in Stellung. Die Aktie des Reisedetailhändlers steigt auf den höchsten Stand in der Firmengeschichte.
19.05.2017 17:00
Von Lorenz Burkhalter
Ein Uhrmacher aus dem Richemont-Konzern arbeitet an einem Uhrwerk.
Ein Uhrmacher aus dem Richemont-Konzern arbeitet an einem Uhrwerk.
Bild: Bloomberg

Seit dem frühen Freitag ist die jüngere Firmengeschichte der Detailhandelsgruppe Dufry um ein Kapitel reicher: Wie eine Offenlegungsmeldung an die Schweizer Börse SIX verrät, hat sich der bekannte Luxusgüterkonzern Richemont mit 5 Prozent beim Weltmarktführer aus Basel eingekauft.

Erst vor wenigen Wochen hatte der chinesische Mischkonzern HNA die beiden langjährigen Aktionäre Temasek und GIC abgelöst und die Beteiligung in einem zweiten Schritt auf 20,92 Prozent ausgebaut. 

Dass sich mit Richemont ein weiterer, vermutlich strategischer Investor in Stellung bringt, sorgt an der Börse für Fantasie. An der Schweizer Börse SIX steigt die Dufry-Aktie denn auch kräftig. Nachdem sie bei 172,60 Franken vorübergehend auf ein neues Rekordhoch kletterte, gewinnt die Aktie im späten Handel noch 5 Prozent auf 168,60 Franken. Die Richemont-Aktie steht im Gegenzug bei 81,85 Franken und damit um 1,4 Prozent über dem Schlussstand vom Vortag.

Über die Beweggründe rund um die Beteiligungsnahme durch Richemont lässt sich bloss spekulieren. Beobachter haben mehrere mögliche Erklärungen auf Lager.

Wird ein Abwehrdispositiv gegen HNA errichtet?

Die wohl wahrscheinlichste Erklärung ist, dass der traditionsreiche Genfer Luxusgüterkonzern einen Teil seiner Barmittel in seinem Kerngeschäft naheliegenden Tätigkeitsbereichen anlegen will. Wie seit der Jahresergebnispräsentation von vergangener Woche bekannt ist, wälzt Richemont mittlerweile rund 5,8 Milliarden Euro in bar vor sich her. Davon fliesst weniger als eine Milliarde Euro in das über drei Jahre laufende Aktienrückkaufprogramm.

In den letzten Tagen ist die Dufry-Aktie von ihren Kurskursen zurückgefallen (Quelle: www.cash.ch)

Andere Beobachter vermuten hingegen, dass mit der Hilfe von Richemont ein Abwehrdispositiv gegen HNA aufgebaut werden soll. Eine strategische Beteiligung und eine Zusammenarbeit mit dem übernahmehungrigen chinesischen Mischkonzern zur Erschliessung dessen Heimmarkt China sei zwar auch im Interesse der Firmenverantwortlichen bei Dufry. Gegen eine vollständige Übernahme durch HNA werde man sich vermutlich aber wehren, so heisst es.

Wie aus dem Unternehmensumfeld zu hören ist, sei das Dufry-Management erst vor einigen Tagen informiert worden und sei erfreut über einen derart prominenten Aktionär.

Jedenfalls scheint nicht ausgeschlossen, dass Richemont bei Dufry über die nächsten Wochen hinweg weitere Aktien zukaufen könnte. Als Käufer zu erkennen geben müsste sich der neue Grossaktionär aber erst wieder, sollte er den meldepflichtigen Schwellenwert von 10 Prozent überschreiten.

UBS will die Kaufempfehlung überprüfen

In einer ersten Stellungnahme zeigt sich der für die Bank Vontobel tätige Analyst überrascht von der Aktion von Richemont. Er vermutet, dass der Luxusgüterkonzern mit der Beteiligungsnahme einen Weg sucht, um am schnell wachsenden Reiseeinzelhandelssegment teilzuhaben. Aufgrund der anhaltend positiven Dynamik rund um Dufry empfiehlt er die Aktie weiterhin mit einem Kursziel von 180 Franken zum Kauf.

Nach einer Road-Show mit Firmenvertretern nimmt der Berufskollege der UBS Investmentbank die Kaufempfehlung für die Dufry-Aktie in negative Revision. Das 165 Franken lautende 12-Monats-Kursziel dürfte er hingegen nach oben nehmen. Zur Beteiligungsnahme durch Richemont äussert er sich bisweilen nicht.