Beteiligungsreduktion - Grossaktionär baut ab: Ist der Mist bei ABB nun gekarrt?

Der langjährige ABB-Grossaktionär Cevian Capital reduziert seine Beteiligung. Beobachter sind überrascht, scheint der Finanzinvestor beim Industriekonzern doch noch nicht am Ziel angelangt. Die Börse bleibt entspannt.
05.08.2020 11:33
Von Lorenz Burkhalter
ABB-Gebäude in Zürich-Oerlikon.
ABB-Gebäude in Zürich-Oerlikon.
Bild: cash/fsc

Es ist wohl die Nachricht des Tages: Der langjährige Grossaktionär Cevian Capital hat sich bei ABB zuletzt von Aktien getrennt und hält neuerdings noch 4,95 (zuvor 5,92) Prozent der Stimmen. Das zumindest lässt sich am frühen Mittwochmorgen einer Offenlegungsmeldung an die Schweizer Börse SIX entnehmen.

Gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters spielt der langjährige Grossaktionär die Beteiligungsreduktion herunter. Man habe nach der kräftigen Kurserholung beim schweizerisch-schwedischen Industriekonzern eine Neugewichtung des Beteiligungsportfolios vorgenommen, so heisst es auf Anfrage.

Cevian Capial eigentlich noch nicht am Ziel angekommen

Für Beobachter hat die Beteiligungsreduktion dennoch Signalwirkung für die übrigen Aktionäre. Schliesslich hatte der für seine aktive Einflussnahme bei Unternehmen gefürchtete Finanzinvestor kurz nach seinem Einstieg im Frühsommer 2016 verlauten lassen, dass ABB nach einer Verschlankung bis zu 35 Franken je Aktie wert sei.

Cevian Capital gilt denn auch als treibende Kraft hinter dem Verkauf des Stromübertragungsgeschäfts, genauso wie hinter der Verpflichtung von Björn Rosengren als neuen Firmenchef. Auch beim milliardenschweren Aktienrückkaufprogramm habe der Grossaktionär seine Finger im Spiel gehabt, so heisst es weiter.

Börse reagiert vorerst entspannt

Obwohl die ABB-Aktie seit Mitte März um mehr als 50 Prozent an Boden gutmachen konnte, notierte sie zuletzt mit rund 24 Franken noch immer weit unter den von Cevian Capital ursprünglich genannten 35 Franken. Für einige Beobachter könnte sich deshalb mehr als bloss eine Neugewichtung des Beteiligungsportfolios hinter der Beteiligungsreduktion verbergen. Dass sich der langjährige Grossaktionär zu aktuellen Kursen von knapp einem Fünftel seines Pakets getrennt habe, lasse darauf schliessen, dass er andere Unternehmen attraktiver einstufe. Das wiederum führe zwangsläufig zur Frage, ob der Mist bei ABB nun bereits gekarrt sei. Auch auf ein mögliches Zerwürfnis mit dem neuen Firmenchef Björn Rosengren wird spekuliert.

Die Aktie von ABB notierte zuletzt auf dem Stand von Ende Dezember. Damit bewegt sie sich bei den 20 Titeln aus dem Swiss Market Index (SMI) in diesem Jahr im unteren Mittelfeld. Noch reagieren die Anleger entspannt auf die Beteiligungsreduktion. Nach einem frühen Vorstoss bis auf 23,75 Franken gewinnt die Aktie noch 0,3 Prozent auf 23,52 Franken.