Weil die Nachfrage nach ‌dem neuen ⁠iPhone Duo das Angebot schon bei den Vorbestellungen um ein Vielfaches übertraf, schränkte der US-Konzern den Direktverkauf in den Läden stark ein. Dennoch bildeten sich vor ⁠dem Apple Store in der australischen Metropole Sydney, der weltweit als erster öffnete, schon früh morgens Schlangen. In Ländern wie China, Frankreich, Indien und Japan war das neue iPhone Duo ausschliesslich ‌als Online-Order verfügbar. Auch in Deutschland konnten sich die Kunden das begehrte Objekt nur nach Vorbestellung im Laden abholen.

Die ‌Begeisterung der Käufer scheint den hohen Preis aufzuwiegen. Der 48-jährige Ingenieur Simon ​Krishnan zahlte in Sydney 3899 australische Dollar (rund 2443 Euro) für ein Modell mit 512 Gigabyte Speicher. «Das ist ein kleiner Luxusartikel für mich, weil es so teuer ist, aber ich denke mir einfach: Weisst du was? Das Leben ist zu kurz», sagte er. In Shanghai wartete der 26-jährige Liu Wei ab 06.00 Uhr morgens vor einem Geschäft. Er besitzt bereits ein Falt-Handy von Xiaomi, wollte aber unbedingt das Apple-Produkt testen. In Hongkong sicherte sich ein Käufer das umgerechnet rund 1990 ‌Euro teure Gerät im Vorverkauf, um es einige hundert Euro teurer weiterzuverkaufen – «Geld für ein paar Mahlzeiten», wie er scherzte. In Berlin will Content Creator Patrick Wolter das iPhone Duo vor allem für die Arbeit nutzen. «Ich habe einfach beides in einem, Telefon und iPad.»

Für Apple steht bei der Markteinführung viel auf dem Spiel. Die Resonanz ​auf das iPhone Duo gilt als erster wichtiger Test für den neuen Konzernchef John Ternus. Der ehemalige Hardware-Chef hatte ​das Gerät im September vorgestellt, nur knapp eine Woche nachdem er das Ruder bei dem Technologiegiganten ​übernommen hatte. Zugleich betritt Apple einen Markt, in dem Konkurrenten wie Samsung und Huawei bereits seit mehreren Jahren Premium-Modelle anbieten. Bislang blieb die Technologie jedoch eine Nische, die von hohen Preisen und technischen ‌Kinderkrankheiten geprägt war. Für Marktbeobachter ist die Frage, ob das iPhone Duo den Markt für kleine Falt-Telefone ähnlich revolutionieren kann, wie es das erste iPhone einst bei den Smartphones tat.

Experten trauen Apple diesen Durchbruch durchaus zu. «Faltbare Geräte sind seit Jahren eine etablierte Kategorie, aber die Akzeptanz ist im Vergleich zu herkömmlichen Smartphones relativ gering ​geblieben», sagt ​Francisco Jeronimo vom Marktforscher IDC. Der Einstieg von Apple könne das Format einem viel ⁠breiteren Publikum zugänglich machen. IDC prognostiziert, dass Apple bereits 2026 rund 44 Prozent des weltweiten ​Umsatzes mit Falt-Handys auf sich vereinen wird, ⁠bei einem Absatzanteil von 31 Prozent. Im Jahr 2027 dürfte der Konzern dann sowohl nach Wert als auch nach Stückzahlen zum unangefochtenen Marktführer in dieser Kategorie aufsteigen.

Trotz ‌des anfänglichen Hypes fallen die ersten Testberichte gemischt aus. Zwar loben Experten das Design und das kaum sichtbare Scharnier – ein bisheriger Schwachpunkt vieler Falt-Handys. Doch Kompromisse bei der Kamera, wie das Fehlen eines Teleobjektivs, und noch nicht an das neue Format angepasste Apps dämpfen die ‌Euphorie. Zudem sei das Gerät zusammengeklappt für schnelle Alltagsaufgaben weniger handlich als ein Standard-iPhone. «Es hat viel Spass gemacht, das ​Duo eine Woche lang auszuprobieren, aber es fühlt sich an, als hätte ich einen aussergewöhnlich ausgefeilten Prototyp benutzt – kein fertiges Produkt, das ich kaufen und bei mir tragen möchte», schrieb der langjährige Apple-Beobachter John Gruber in seinem Blog.

(Reuters)