Biosimilars kommen - Umsatzzahlen von Roche wecken Ängste

Roche legt auf den ersten Blick überzeugende Neunmonatsumsatzzahlen vor. Der Umsatzrückgang bei Rituxan in Europa lässt die Analysten jedoch aufhorchen. In der Folge setzt der Genussschein seine Talfahrt ungebremst fort.
19.10.2017 17:00
Von Lorenz Burkhalter
Roche-Chef Severin Schwan kann mit der Leistung im dritten Quartal zufrieden sein.
Roche-Chef Severin Schwan kann mit der Leistung im dritten Quartal zufrieden sein.
Bild: cash

Die Aktionäre dürfen aufatmen: Die am frühen Donnerstag von Roche veröffentlichten Neunmonatsumsatzzahlen werden den Markterwartungen vollumfänglich gerecht. Nicht nur im Pharma- auch im Diagnostikgeschäft übertrifft das Traditionsunternehmen aus Basel die Analystenschätzungen sogar leicht.

Wenig überraschend hält das Unternehmen an den diesjährigen Zielvorgaben fest. Ende Juli hatte es die Vorgaben überraschend erhöht.

Nachdem der Genussschein im vorbörslichen Handel noch Boden gutmachen konnte, verliert er an der Schweizer Börse SIX zur Stunde 2,3 Prozent auf 238,70 Franken.

Wie der für Vontobel tätige Stefan Schneider schreibt, wartet Roche dank einem Verkaufserfolg bei den jungen Medikamenten mit soliden Umsatzzahlen auf. Positiv überrascht zeigt sich der Analyst insbesondere vom starken Abschneiden des MS-Präparats Ocrevus. Er erhofft sich anlässlich der Telefonkonferenz wichtige Anhaltspunkte, wieviel der Verkäufe auf den Aufbau von Lagerbeständen entfällt und wie gross die tatsächliche Nachfrage war. Er empfiehlt den Genussschein mit einem Kursziel von 281 Franken zum Kauf.

Umsatzrückgang mit Rituxan in Europa weckt Ängste

Gut kommt in Expertenkreisen auch der starke Umsatzbeitrag seitens des Augenmedikaments Lucentis an. Da das Präparat als hochrentabel gilt, sind positive Auswirkungen auf die Gewinnentwicklung zu erwarten.

Die Umsatzentwicklung zeige im bisherigen Jahresverlauf noch keine Bremsspuren, so schreibt Dr. Michael Nawrath von der Zürcher Kantonalbank und spricht damit den drohenden Nachfragerückgang im Zusammenhang mit Nachahmerpräparaten an. Seines Erachtens zeigen sogenannte Biosimilars trotzdem ihre deutlich negativen Auswirkungen, beispielsweise bei Rituxan in Europa. In wenigen Wochen werde auch das Brustkrebsmedikament Herceptin davon betroffen sein, so Nawrath. Der Analyst hält deshalb am "Marktgewichten" lautenden Anlageurteil fest.

Schneidet im 12-Monats-Vergleich deutlich schlechter als der SPI (grün) ab: Der Genussschein von Roche (rot) (Quelle: www.cash.ch)

In dieselbe Kerbe schlägt der für Baader-Helvea tätige Bruno Bulic. Er zeigt sich vom Ausmass des Umsatzrückgangs bei Rituxan in Europa überrascht. Der Absatz ging im dritten Quartal um stolze 16 Prozent zurück. Der Analyst selber hatte nur mit einem Rückgang um 6 Prozent gerechnet. Einen weiteren Schwachpunkt sieht er im schleppenden Absatz mit dem Krebsmedikament Tecentriq. Er führt den schleppenden Absatz auf die durchzogenen Studienergebnisse des Präparats auf dem Gebiet von Blasenkrebs zurück.

Jack Scannell von der UBS Investmentbank bezeichnet den Umsatzzerfall bei Rituxan in Europa gar als "besorgniserregend", auch sich wenn der weltweite Absatz mit dem Krebsmedikament im Rahmen der bankeigenen Schätzungen bewegte. Er stuft den Genussschein wie bis anhin mit Neutral" und einem 12-Monats-Kursziel von 260 Franken ein.

Augenfällige Häufung von Herunterstufungen

Jeffery Holford von Jefferies gibt hingegen zu bedenken, dass sich die Absatzentwicklung von Rituxan dem prozentual zweistelligen Rückgang in Europa noch immer leicht positiv entwickelt und die Erwartungen insgesamt erfüllt habe. Er macht allerdings andere Schwachstellen wie etwa den enttäuschenden Umsatzbeitrag von Medikamenten wie Avastin, Herceptin oder Tecentriq aus. Das hält den Analysten nicht davon ab, seine Kaufempfehlung für den Genussschein von Roche sowie das Kursziel von 295 Franken zu bestätigen.

Im hiesigen Handel wird auf ein interessantes Phänomen hingewiesen. So senkten in den Tagen vor der Umsatzveröffentlichung gleich zwei Banken den Daumen über Roche. Zu Wochenbeginn stufte die Credit Suisse den Genussschein mit einem Kursziel von 260 (zuvor 300) Franken von "Outperform" auf "Neutral" herunter, gefolgt von der Citigroup mit einer Herunterstufung von "Buy" auf "Hold". Die amerikanische Investmentbank kürzte nicht nur das Kursziel auf 255 (zuvor 280) Franken, sondern strich den Titel auch von der Liste der Schlüsselkaufempfehlungen.

Diese Herunterstufungen stehen im Zusammenhang mit dem Markteintritt von Nachahmerpräparaten bei umsatzstarken Schlüsselmedikamenten wie Herceptin, Rituxan oder Avastin.