Im laufenden Jahr dürfte die Zahl der verkauften Autos in der Volksrepublik um ein Fünftel schrumpfen, sagte VW-China-Chef Ralf Brandstätter am Dienstag bei einer Branchenkonferenz. Der derzeitige Absatzeinbruch sei vergleichbar mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie. BMW-Chef Milan Nedeljkovic sagte der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung», der Verkauf von Neuwagen könnte unter 20 Millionen Autos sinken, gegenüber 24 Millionen im vergangenen Jahr.
Zugleich sei derzeit keine Drosselung der Produktion zu erkennen, die bei fast 30 Millionen Autos liege. «Das bedeutet: Fast zehn Millionen Autos gehen in den Export, das bringt die Autopreise weltweit unter Druck», sagte Nedeljkovic.
In Europa sei auch deswegen ein enormer Preisdruck entstanden, weil die Preise vieler chinesischer Autos nicht nach marktwirtschaftlichen Mechanismen zustande kämen, sagte Nedeljkovic. Das führe dazu, dass in Europa protektionistische Tendenzen entstünden und es Bestrebungen gebe, die eigenen Märkte zu schützen. «BMW ist weltweit tätig, wir sind für freien Handel, wir stellen uns dem Wettbewerb. Aber eine Wettbewerbsverzerrung durch nicht nachvollziehbare Preise ist gefährlich», sagte er. Statt Zöllen schlug er freiwillige Vereinbarungen vor, die zu höheren Preisen führten. «Das sind Verhandlungen, die auf politischer Ebene jetzt geführt werden müssen.»
Im August schrumpfte der chinesische Automarkt den elften Monat in Folge. Dabei spielt unter anderem die hartnäckige Krise auf dem Immobilienmarkt eine Rolle, die auf die Stimmung der Verbraucher drückt. Um trotzdem ihre Fabriken auszulasten, haben zahlreiche Hersteller den Export massiv gesteigert. So legte der Marktanteil chinesischer Anbieter in Europa in den vergangenen Monaten rapide zu.
Volkswagen musste zuletzt unter anderem wegen der schwächeren Verkäufe auf dem weltweit wichtigsten Fahrzeugmarkt seine Gewinnprognose für das laufende Jahr kappen. Auch BMW hatte im Sommer seine Prognose wegen der Schwäche auf seinem wichtigsten Einzelmarkt reduziert.
(Reuters)

