Weniger Modelle, ein neues grosses SUV für die USA, mehr Unternehmergeist in der Zentrale in München: BMW ‌hat sich ⁠einen weitreichenden Konzernumbau verordnet und will so bis Anfang des kommenden Jahrzehnts bei der Rendite wieder zu alten Höhen kommen. «Es ist kein Sparprogramm», sagte BMW-Chef Milan Nedeljkovic am Mittwoch nach ⁠dem Kapitalmarkttag im neuen Batteriewerk im niederbayerischen Irlbach-Strasskirchen. Sein Vorhaben beziehe sich vielmehr grundlegend auf die Art und Weise, wie das Unternehmen arbeite. So solle es gelingen, die Rendite ab Anfang der 2030er Jahre auf acht ‌bis zehn Prozent zu steigern.

Bis 2028 trauen sich die Münchner eine Rendite von drei bis fünf Prozent zu, nach einem ‌bis drei Prozent im laufenden Jahr. Der Barmittelzufluss soll sich bis dahin auf fünf ​Milliarden Euro verdoppeln und ab 2030 auf sieben Milliarden Euro steigen.Allerdings kommt BMW nicht ohne Stellenabbau aus. Bereits beschlossen ist der Abbau von 8000 Arbeitsplätzen in der Verwaltung und Entwicklung in München. Die Produktion haben die Münchner ausgenommen. Weitere Themen sind dagegen noch offen: Derzeit würden weitere Themenbereiche geprüft und bewertet, eine Entscheidung werde bis Frühjahr 2027 getroffen.

An der Börse legte die BMW-Aktie drei Prozent zu. Die Analysten der Citi verwiesen darauf, dass der Plan von BMW vor allem nach innen gerichtet sei und auf Verbesserungen im Unternehmen selbst ‌abziele. Investoren seien dagegen besorgt, dass sich die Lage der gesamten Autobranche weiter verschlechtere, was eine deutlich weitergehende Antwort von BMW erfordere, wie sie Volkswagen in den vergangenen Monaten vorgelegt habe. Bernstein-Analyst Stephen Reitman sprach dagegen vom Beginn des Heilungsprozesses. BMW verstehe, dass die Lösung nicht nur Einsparungen seien. «Es geht auch darum, Wachstum mit innovativen Produkten anzustreben. Die Neue Klasse ist dabei ​im Kern der Erholung.»

Grosses SUV für die USA, kleines Elektroauto für Europa

Unter die Lupe genommen hat das Unternehmen auch sein Produktportfolio. Die ​Münchner wollen noch stärker als bislang den regionalen Bedürfnissen Rechnung tragen, durch ein neues kleines Elektroauto für Europa ​und ein grosses SUV oberhalb des X7 in den USA etwa. Andere Modelle, wie der 2er Active Tourer, der Roadster Z4 und der 3er Diesel, fallen dafür weg. Die Fahrzeuge sollen dabei in den Regionen gebaut ‌werden, in denen sie auch verkauft werden.

Derzeit baut BMW in Europa vorwiegend Limousinen, in den USA SUV-Modelle, und bedient jeweils die anderen Märkte mit. In Zukunft könnten weniger Autos über den Atlantik transportiert werden: Die Münchner prüfen Insidern zufolge, ob der X5 und sein elektrisches Schwestermodell iX5 künftig auch in Dingolfing vom Band laufen. Ein Grund dafür ist auch, dass ​das US-Werk in Spartanburg ​derzeit stark ausgelastet ist und ohne Anpassungen kein Platz für ein weiteres Auto wäre.

China-Geschäft soll stärker lokalisiert werden

Änderungen gibt es auch im China-Geschäft, das derzeit massiv unter Druck ist. Nedeljkovic sagte, ​sein Unternehmen habe nicht vorhersehen können, wie ⁠schnell der Markt dort einbreche, und sei deswegen mit einer Prognose vorsichtig. BMW verkauft in der Volksrepublik derzeit vorwiegend Verbrennermodelle, die jedoch angesichts des Ölpreisanstiegs infolge des Iran-Kriegs kaum noch ‌Käufer finden. Die Hoffnungen der Münchner liegen auf den Elektroautos der Neuen Klasse, als deren erstes Modell ab Ende des Jahres der iX3 auf den Markt kommen soll. Die lokale Fertigung soll mit dem Start des Fahrzeugs ausgebaut, der Import auf die profitabelsten Modelle reduziert werden. Zugleich solle die Entwicklung ‌in China erweitert werden. Bis 2030 nimmt sich BMW vor, 95 Prozent seines China-Portfolios auch in der Volksrepublik zu fertigen. Ein Teil ​der Autos soll zudem von China aus nach Südostasien exportiert werden.

Hoffnung setzt BMW auf Künstliche Intelligenz. Zum einen im Unternehmen selbst: Finanzchef Walter Mertl sagte, agentische KI-Applikationen würden zum Gamechanger für eine agilere und effizientere Entwicklung sowie für schlankere Strukturen und schnellere Entscheidungswege. In der Produktion kommt KI schon seit längerem bei einer Vielzahl von Projekten zum Einsatz, etwa bei der Qualitätsprüfung oder bei autonomen ‌Transportlösungen. In der Entwicklung sollen KI-Agenten helfen, schneller voranzukommen.

(Reuters)