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Börse - Aktiensplit und Chipmangel: Die Börse wird Nvidia auch in der Zukunft lieben

Der Chiphersteller Nvidia hat einen Aktiensplit vollzogen. Was dies für die Aktie bedeutet und warum sich für Anlegerinnen und Anleger gerade jetzt ein Kauf aufdrängt.
21.07.2021 16:38
Von Manuel Boeck
Nvidia-Logo an einem Gebäude im chinesischen Tianjin.
Nvidia-Logo an einem Gebäude im chinesischen Tianjin.
Bild: imago images / VCG

Die Nvidia-Aktie vervierfachte ihren Wert zwischen dem letztmaligen Tiefpunkt im März 2020 und Ende Juni beinahe. Ein Grund für den Anstieg des Aktienkurses ist, dass der Chiphersteller im Mai einen Aktiensplit angekündigte. Diesem haben die Aktionäre bei der Hauptversammlung am 3. Juni zugestimmt. Am vergangenen Montag, den 19. Juli, wurden aus einer Nvidia-Aktie vier.

Doch seit Mitte Juli sind die Aktien um 11 Prozent zurückgekommen . Der Vollzug des Aktiensplits hat bislang keine neuen Impulse gebracht. Ist dafür jetzt ein guter Zeitpunkt zum Einstieg gekommen?

Kursverlauf der Nvidia-Aktien seit Januar 2020 (Quelle: cash.ch).

Wer jetzt meint, dass Nvidia günstiger geworden ist, ist natürlich auf dem Holzweg. Ein Aktiensplit ist eine optische Täuschung. Die Aktien von Nvidia sind jetzt im Erwerb günstiger - aktuell knapp 187 statt 748 Dollar -, doch die Bewertung ist noch immer dieselbe. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) liegt weiter bei hohen 77.

Der Einfluss eines Aktiensplits ist vielmehr psychologischer Natur. Ein tieferer Preis pro Aktie macht die Aktie besser handelbar. Der Titel sieht zudem günstiger aus und wird somit für Kleininvestoren interessanter. Dies sind alles in allem aber auch Gründe, warum Titel nach einem Aktiensplit tendenziell ansteigen. Dies dürfte bei Nvidia der Fall sein.

Fundamental gute Aussichten

Zudem bleiben die Aussichten für den US-Chiphersteller auch fundamental gut. Die anhaltende Chip-Knappheit dürfte Nvidia noch bis ins Jahr 2022 hinein Rückenwind geben. Im ersten Quartal stieg der Umsatz um 84 Prozent, der Gewinn sogar um 109 Prozent.

Dieses starke Wachstum ist ein Grund, warum das KGV bei einem gleichbleibenden Aktienkurs stark sinken dürfte. Der Analystenkonsens rechnet mit einem Wert von 46 für 2022. 

Vermutlich ist der Konsens eher noch konservativ in seiner Einschätzung. In den letzten acht Quartalen lag der Konzern beim Gewinn pro Aktie und Umsatz jeweils über den Erwartungen der Analysten. Der Zahlenkranz zum zweiten Quartal folgt am 18. August.

Die von Bloomberg befragten Analysten empfehlen in deutlicher Mehrheit den Kauf der Aktien und haben ihre Kursziele kontinuierlich nach oben korrigiert. Das durchschnittliche Kurspotenzial zwar nur 3,4 Prozent, wird aber durch Ausreisser nach unten gezogen. Die Mehrheit sieht ein Kurs von über 200 Dollar als realistisch an, was einem Aufwärtspotenzial von mindestens 7 Prozent entspricht.

Steigt Bitcoin wieder, profitiert Nvidia

Es gibt daher gute Gründe, warum ein Kauf gerade jetzt nach dem Aktiensplit, der kleinen Korrektur und vor den Zweitquartalszahlen lohnenswert sein könnte. Ein weiterer Grund ist bei den Kryptowährungen vorzufinden.

Dass sich der Bitcoin-Kurs im Juli nicht von der 30'000-Dollar-Marke lösen konnte, hat vermutlich den aktuellen Kursabsacker bei Nvidia verstärkt. Denn um Bitcoins und andere Kryptowährungen herzustellen sind leistungsstarke Rechner notwendig. Dabei hat sich herausgestellt, dass sich Grafikchips besonders gut für die aufwändige Berechnung kryptografischer Schlüssel eignen. 

Grafikkarten-Hersteller wie Nvidia versorgen die Miner von Bitcoin und anderen Kryptowährungen als "Ausrüster" mit immer leistungsfähigeren Prozessoren. Das Geschäft für die Miner wird nur lukrativer, wenn der Kurs steigt. Investitionstätigkeiten hängen daher positiv mit dem Kursverlauf von Bitcoin und Co zusammen. 

Trübt sich hier der Ausblick ein, lastet dies auf den Nvidia-Aktien. Nimmt der Markt der Kryptowährungen aber wieder Fahrt auf - und davon kann bei einer anhaltend hohen Inflation und einer Dollarschwäche ausgegangen werden -, wird im Endeffekt Nvidia profitieren.