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Börse - Diese Schweizer Aktie ist nur vordergründig attraktiv

Der Handelskonzern Valora hat mit seinen Kiosken in der Corona-Krise gelitten. Und auch die Aktien haben sich nie wirklich vom Einbruch erholt. Warum Anlegerinnen und Anleger trotzdem noch mit einem Kauf warten sollten.
23.06.2021 07:26
Von Manuel Boeck
In jedem Bahnhof vertreten: Der Kiosk von Valora.
In jedem Bahnhof vertreten: Der Kiosk von Valora.
Bild: ZVG

Die Aktien des Kioskbetreibers Valora haben sich vom Corona-Absturz vom Frühjahr 2020 über lange Zeit nicht erholen können. Zu lange haben die Lockdowns die Geschäftstätigkeit vermindert oder sogar komplett angehalten.

Zwar hat das Unternehmen Ende Februar 2021 mit den Geschäftszahlen noch Optimismus versprüht, was in der Folge die Valora-Aktien für kurze Zeit nach oben schiessen liess, doch von diesem Niveau ist der Titel auch wieder zurückgekommen. Um das Vor-Corona-Kursniveau zu erreichen, müsste der Titel immer noch 53 Prozent steigen. 

Kursentwicklung der Valora-Aktien seit Januar 2020 (Quelle: cash.ch).

Das Ergebnis zum Gesamtjahr 2020 zeigte Ende Februar das grosse Corona-Problem beim Handelsunternehmen aus Muttenz: 15 Prozent weniger Nettoumsatz und bei den margenstarken Nahrungsmitteln zum Sofortverzehr ging der Absatz um knapp einen Drittel zurück. 

An der strategischen Ausrichtung von Valora hat sich wegen Corona jedoch nichts geändert. Der Fokus liegt weiterhin im kleinflächigen Detailhandel an hochfrequentierten Lagen, mit einer starken Ausrichtung auf Nahrungsmittel zum Sofortverzehr. Die Hoffnung des Valora-Management liegt darin, bei der Profitabilität Ende Jahr das Vorkrisenniveau zu erreichen.

Das Aufholpotenzial erscheint attraktiv. Zumindest in den wichtigen Märkten Schweiz und Deutschland sind Lockdowns für den Moment kein Thema mehr. Sollen Anlegerinnen und Anleger daher jetzt zukaufen und auf die prognostizierte Erholung im zweiten Halbjahr 2021 setzen?

Potenzial für Enttäuschungen

Nein, denn vermutlich hat der länger als ursprünglich erwartete Lockdown in der Schweiz und Deutschland die Erholung des Kioskkonzerns belastet. Aus diesem Grund erachtet Pascal Boll, Analyst bei Stifel, die Konsenserwartungen für das erste Semester und das Gesamtjahr 2021 als "sehr optimistisch". Boll sieht insbesondere für das Halbjahresergebnis ein Potenzial für Enttäuschungen.

Der Analyst hält denn auch an seinem "Hold"-Rating fest. Auch davon ausgehend, dass die mögliche kurzfristige Aufhellung durch verschiedene Bedenken wie etwa bezüglich der Frequenz-Erholung in den Geschäften überwogen wird. Denn noch immer verbringen viele Arbeitnehmer zumindest einen Teil ihrer Arbeitszeit im Homeoffice. Eine kurze Verpflegung unterwegs ist damit weniger gefragt und Kioskbesuche seltener.

Auch die Wiederaufnahme von Dividendenzahlungen bleibt für das Geschäftsjahr 2021 ungewiss. Einerseits hat es Valora verpasst, ihre zentral gelegenen Geschäfte während des Lockdowns zu renovieren. Andererseits verfolgt der Kioskkonzern einen Wachstumskurs: So sollen in den Niederlanden neue Backwerk-Läden eröffnet werden. Dazu geht Valora eine Partnerschaft mit der Firma HMSHost International ein. Alles dies bindet liquide Mittel.

Schlussendlich nimmt die Ausbreitung der Delta-Varianten des Coronavirus trotz Sommer in Europa zu. In Lissabon mussten die Menschen deswegen ab letzten Freitagnachmittag in einen Shutdown. Sollte in der Schweiz und Deutschland Ende Sommer die Delta-Variante vorherrschend sein, werden sich wohl viele Menschen wieder vorsichtiger verhalten und damit die Valora-Geschäfte weniger besuchen.

Klar könnte die Valora-Aktie in den nächsten Wochen und Monaten kurzzeitig ansteigen. Doch im Endeffekt bieten sich aktuell andere Schweizer Titel, die im nächsten Halbjahr die sicherere Wette sind.