Börse - Evergrande will sich offenbar mit Teilverkauf Luft verschaffen - Handel ausgesetzt

Der Handel mit Aktien des hoch verschuldeten Immobilienriesen Evergrande ist am Montag ausgesetzt worden. Medienberichten zufolge steht Evergrande kurz vor einem milliardenschweren Anteilsverkauf.
04.10.2021 15:37
Das China Evergrande Centre im Wan Chai Areal in Hong Kong am 23. Juli 2021
Das China Evergrande Centre im Wan Chai Areal in Hong Kong am 23. Juli 2021
Bild: Bloomberg / Lam Yik

Der strauchelnde Immobilienriese China Evergrande steht Medienberichten zufolge kurz vor einem milliardenschweren Anteilsverkauf. Der Konzern will für mehr als fünf Milliarden Dollar 51 Prozent an seiner Immobilienverwaltungs-Tochter Evergrande Property Services Group an den Wettbewerber Hopson Development verkaufen, wie die chinesische Staatszeitung "Global Times" und andere Zeitungen berichtete. Hopson und Evergrande äusserten sich dazu nicht. Ihre Aktien wurden am Montag aber vom Handel ausgesetzt mit der Begründung, es werde eine grössere Transaktion angekündigt.

Evergrande würde sich mit dem Beteiligungsverkauf etwas Luft verschaffen. Der zweitgrösste Immobilienentwickler Chinas ächzt unter einem Schuldenberg von mehr als 300 Milliarden Dollar und ist in Zahlungsverzug gegenüber Gläubigern, Lieferanten und Kunden geraten. In den vergangenen Tagen liess Evergrande bereits mehrfach Fristen für die Zahlung von Anleihezinsen verstreichen. Im Oktober werden weitere 162 Millionen Dollar Zinsen fällig.

Investoren haben die Sorge, dass ein Kollaps von Evergrande weitreichende Folgen für das Finanzsystem und andere Branchen haben wird. Viele hoffen deshalb auf staatliche Unterstützung. Die Regierung in Peking hatte Staatsfirmen vergangene Woche dazu aufgefordert, Teile von Evergrande zu übernehmen, wie Reuters unter Berufung auf Insider berichtete.

Sorge vor sozialen Unruhen

Der Anteilsverkauf an der Immobilienverwaltungs-Tochter sei ein wichtiger Schritt, die Liquiditätskrise von Evergrande einzudämmen, sagte Volkswirt Gary Ng von der Bank Natixis. "Wir erwarten, dass davon noch mehr kommt." Evergrande versuche nun offenbar, Bargeld zu besorgen zur Bezahlung von Rechnungen, sagte Analyst Ezien Hoo vom Broker OCBC. "Es sieht so aus, als ob die Verwertung der Immobilienverwaltungs-Einheit noch am einfachsten ist." Hoffnungen auf einen möglichen neuen Teil-Eigentümer machten sich auch die Aktionäre der Evergrande-Tochter für Elektromobilität. Deren Aktien schossen am Montag um 29 Prozent in die Höhe.

An den globalen Börsen ging jedoch erneut die Sorge vor einem Zusammenbruch des Immobiliengiganten um. Aktienmärkte in Hongkong und Japan gaben nach, der Dax stand unter Druck und in den USA zeichnete sich eine schwächere Eröffnung ab. "Die chinesische Regierung hat immer noch wenig Einblick in das Schicksal von Evergrande, obwohl eine langsame und stetige Zerschlagung des Unternehmens im Moment der bevorzugte Weg zu sein scheint", sagte Marktanalyst Jeffrey Halley vom Online-Borker Oanda. Spätestens durch die Handelsaussetzung der Aktien von Evergrande seien die Sorgen vor einem Zusammenbruch wieder präsent geworden, sagte Jochen Stanzl, Marktanalyst von CMC Markets.

Die Aktien von Evergrande verloren seit Jahresbeginn mehr als 80 Prozent. Der Konzern kommt noch auf einen Börsenwert von fünf Milliarden. Analysten warnen im Falle einer Pleite auch vor sozialen Folgen. Evergrande beschäftigt rund 200'000 Menschen und heuert jährlich mehrere Millionen Menschen für Bauprojekte an. Im August hatten zahlreiche Anleger die Zentrale des Konzerns gestürmt und ihre angelegten Gelder zurückverlangt. 

(Reuters)