Börsenausblick - Chinas Finanzmärkte stehen vor einem schwierigen Handelstag

Die Börse in Shanghai wird voraussichtlich am Montag wieder öffnen, nachdem diese mehr als eine Woche geschlossen war. Die Frage ist nicht ob, sondern wie gross die Korrektur sein wird.
31.01.2020 14:35
Von Manuel Boeck
Der Mundschutz ist in Asien zum Alltag geworden. Hier Bilder aus Hongkong.
Der Mundschutz ist in Asien zum Alltag geworden. Hier Bilder aus Hongkong.
Bild: imago images / ZUMA Press

Jeder andere Finanzmarkt hat schon auf das Coronavirus reagiert, welcher die chinesische Wirtschaft zunehmend bedroht. Wegen dem Virusausbruch sind die Börsen in Shanghai und Shenzhen seit mehr als einer Woche geschlossen. Am Montag eröffnen die chinesischen Finanzmärkte wieder, vermutlich wird dies sehr turbulent.

Für die Anleger von Aktien wird die Situation besonders unangenehm. Die Korrektur könnte verstärkt werden, weil verschuldete Marktteilnehmer verkaufen müssen. Eine daraus resultierende Negativspirale ist möglich.

Ein Beispiel für ein vergleichbares Ereignis ist, als Anfang Mai 2019 nach einem Ferienunterbruch und negativen Meldungen zum Handelskonflikt die Börse in Shanghai fast um 6 Prozent nachgab. Betrachtet man den Hang Seng Index Hongkong, der nicht geschlossen wurde, wird das Korrekturpotential deutlich: Dieser verlor seit letztem Freitag knapp 6 Prozent an Wert.

Ebenfalls im Zentrum des Interesses und als Grund für die bestehende Nervosität ist der Umstand, dass Chinas Banken mehr als eine Billion Yuan (143 Milliarden Dollar) an kurzfristigen Krediten zurückzahlen müssen. 

Die Investoren setzen nun ihre Hoffnung auf die chinesische Regierung. Es wird erwartet, dass diese die Verluste in einem bestimmten Rahmen hält. Zusätzlich zu grossen Geldinjektionen könnte die chinesische Zentralbank auch andere Instrumente zur langfristigen Liquiditätsversorgung bereithalten.

Chinesische Reisebranche als Verlierer

Die Anzahl Toten infolge des Coronavirus ist in China auf 213 gestiegen, während insgesamt 9692 Fälle vorliegen. Eine Anzahl von chinesischen Provinzen und Städten haben den Neujahresunterbruch bis am neunten Februar verlängert. Darunter inbegriffen ist auch Shanghai.

China ist zunehmend auch isoliert vom globalen Reisen. So empfiehlt die US-Regierung ihren Bürgern, nicht nach China zu reisen. Amerikaner, welche sich schon in China befinden, sollen versuchen, heimzukehren.

Die chinesische Reisebranche gehört neben dem Einzelhandel oder der Spielindustrie vermutlich auch zu den Marktsektoren, welche am stärksten unter der Krise zu leiden haben. Auch die Flugindustrie wird betroffen sein. So verlor die Aktie der Hongkonger Cathay Pacific Airways während der Sars-Epidemie vom Dezember 2002 bis April 2003 30 Prozent.

Mit Material der Nachrichtenagentur Bloomberg.