Börsenentwicklung - Diese Aktieninvestoren begrüssen die Volatilität

Investoren und Strategen haben womöglich unterschiedliche Ansichten darüber, wie lange der Ausverkauf an den Aktienmärkten anhält. Aber bei einem Punkt stimmen sie überein: Die Tage der bewegungslosen Märkte sind vorbei.
17.02.2018 08:29
Es kommt wieder mehr Bewegung in die Märkte.
Es kommt wieder mehr Bewegung in die Märkte.
Bild: pixabay.com

"Die Volatilität ist zurück", schrieben David Lafferty und Esty Dwek Roditi von Natixis Investment Managers, in einer Einschätzung. "Das Umfeld hat sich verändert."

Der jüngste Markteinbruch ist laut UBS Wealth Management kein isoliertes Ereignis. Er ist vielmehr ein Zeichen dafür, dass sich die Märkte wieder normalisieren, da sich die Zentralbanken zurückziehen und die Märkte wieder auf eigenen Füssen stehen müssen. Für Investoren, die aktiv Aktien auswählen, bedeute dies Chancen und nicht Angst, sagt Toru Ibayashi, Leiter japanische Aktien im Bereich Wealth Management der Schweizer Bank.

Ibayashi hat beobachtet, wie der Aktienmarkt seines Landes, der einst so turbulent war, dass er oft mit Schwellenländern verglichen wurde, so fade wurde, dass die Bewegungen im Topix-Index denen des US-Börsenbarometers S&P Index glichen. Im vergangenen Jahr stieg oder fiel der Topix nur mehr an vier Tagen um mehr als zwei Prozent, verglichen mit 24 Tagen im Jahr 2007. Das war bevor die Zentralbanken intervenierten, um die von der Finanzkrise gebeutelten Märkte und Volkswirtschaften zu stabilisieren.

Der "Hoch-Volatilitäts-Markt" wird bleiben, sagt Ibayashi. Dabei verweist er auf eine mögliche Straffung der Geldpolitik in diesem Jahr durch die Federal Reserve und die Bank of Japan als weitere Auslöser für Turbulenzen an den Aktienmärkten. "Also sollten Investoren bereit sein und Chancen nutzen."

Bei der französischen Amundi Asset Management wird das weitgehend ebenso gesehen. Monica Defend, Strategie-Leiterin bei dem Vermögensverwalter in Italien, sagt, sie sei vorerst vorsichtig bei Aktien, habe aber keine Illusionen, dass die wilden Marktschwankungen nur vorübergehend sein werden.

Volatilität könnte anhalten

"Diese Volatilität könnte eine Zeit lang anhalten", sagt Defend. Es sei "eine Rückkehr von den gedrückten Niveaus, die wir in den letzten Jahren erlebt haben. Zwar werden wir vorerst vorsichtig bleiben, aber wir sind bereit, aktiv die Chancen zu nutzen, die diese Welle der Volatilität mit sich bringen könnte."

Ibayashi von UBS macht keinen Hehl aus seiner Abneigung gegenüber der Art und Weise, wie sich die Märkte im vergangenen Jahr verhielten, und den unüblichen Anlagestrategien, die als Folge davon in den Vordergrund traten. Er nennt insbesondere Wetten gegen die Volatilität - den heissen Trade, der den Investoren im jüngsten Ausverkauf um die Ohren flog.

Nomura Holdings hat sich den Firmen angeschlossen, die Short-Volatility-Produkte auflösen, und entschied sich, 300 Millionen Dollar in börsengehandelten Notes mit einem Abschlag von 96 Prozent einzulösen. Nomura, Japans grösster Broker, entschuldigte sich am Mittwoch bei den Anlegern.

"Wetten gegen den VIX haben ihren Lauf gehabt", sagt Ibayashi mit Bezug auf Wetten auf Rückgänge im US-Referenzindex für Volatilität. Und ihm geht es gut dabei. "Wir empfehlen diese Art von Produkten nie unseren Kunden", sagt er.

Chancen durch Talfahrt

Was die Chancen angeht, die sich durch die jüngsten Kurseinbrüche bieten, verweisen sowohl UBS als auch State Street Global Advisors auf Banken und andere Finanzwerte. Diese Aktien wurden jetzt zwar verkauft, aber "sollten langfristig von einem steigenden Zinsumfeld profitieren", sagt Lori Heinel, stellvertretender globaler Chief Investment Officer bei State Street Global Advisors in New York.

Und wenn die Theorie der nachhaltigen Rückkehr der Volatilität richtig ist, bedeutet das noch grössere Schwankungen in Asien, meint James Soutter, Portfoliomanager bei K2 Asset Management Ltd. in Sydney.

"Asien wird auch weiterhin eine gehebelte Wette auf das globale Wachstum sein, so dass die Aktienperformance in Asien dazu tendieren wird, ’das Herz auf der Zunge zu tragen’", sagt Soutter.

(Bloomberg)