Börsen-Talk: «Kurzfristige Anlagen verkauft»

Aktienanleger sollten in den nächsten Wochen die «vorsichtige Schiene» fahren, sagt Alfred Herbert im cash-Börsen-Talk. Eine Börsen-Korrektur sei überfällig. Der cash-Guru hat sich anlagemässig bereits positioniert.
08.02.2013 08:29
Von Daniel Hügli
cash-Guru Alfred Herbert im Börsen-Talk an der Fondsmesse in Zürich.
Bild: cash

Die Stimmung an der Schweizer Börse bleibt weiterhin gut. Der Swiss Market Index (SMI) konnte in den letzten Tagen die stattliche  Jahresperformance von 8 Prozent halten. Allerdings verbucht der SMI seit etwas mehr als einer Woche vermehrt Rückschläge. Auch anderswo sieht die Börsenwelt nicht mehr dermassen rosig aus. So fiel der deutsche Leitindex Dax diese Woche auf den tiefsten Stand seit acht Wochen. Sind das Zeichen für eine grössere Korrektur?

Ja, sagt cash-Guru Alfred Herbert im cash-Börsen-Talk, der aus aktuellem Anlass an der Fondsmesse Zürich aufgezeichnet wurde. "Eine Korrektur ist fällig. Es kann nicht sein, dass an den Börsen mehrere Wochen Schönwetterperiode herrscht", so Herbert. "Der Index ist jetzt etwas gespielt und die Anleger sollten die vorsichtige Schiene fahren."

Eine Korrektur wäre in der Tat nicht erstaunlich, nachdem der SMI von Ende November bis Mitte Januar eine Performance von über 15 Prozent hingelegt hatte. Die meisten europäischen Aktienmärkte dürften nach Einschätzung der Analysten von Chevreux bis März um fünf bis zehn Prozent fallen, so eine Einschätzungen diese Woche.

Guru zieht die Konsequenzen

Herbert selber hat die Konsequenzen schon gezogen. "In den letzten Tagen bin ich aus allen kurz- und mittelfristigen Anlagen ausgestiegen, die ich besass." Seiner Meinung nach werden Börsenthemen des letzten Jahres wie die Probleme in der Eurozone und der US-Haushaltsstreit "mit Vehemenz wieder auf uns zukommen". Insbesondere die Aktien der beiden Schweizer Grossbanken UBS und Credit Suisse, die in den letzten sechs Monaten über 50 Prozent zugelegt haben, seinen ausgereizt.

Herbert warnt vor einer weiteren möglichen Taucheraktie: Swatch. Der Uhrenkonzern könnte die Bilanz in diesem Jahr wieder nach dem Schweizer Rechnungslegungs-Standard Swiss GAAP FER erstellen und nicht mehr nach einem international anerkannten Rechnungslegungs-Standard. Damit droht Swatch der Rauswurf aus dem SMI.

"Es gibt unzählige Anlagefonds im Wert von unzähligen Milliarden Franken, die den Swiss Market Index nachbilden", sagt Herbert. "Fällt Swatch aus dem SMI, müssen die Fondsmanager die Aktie verkaufen und den neuen Titel kaufen, der nachrückt. Das könnte einen grösseren Druck auf die Swatch-Aktie geben in den nächsten Wochen", sagt Herbert im Börsen-Talk. In der Tat verlor die Swatch-Inhaber-Aktie diese Woche rund 5 Prozent.

Im cash-Börsen-Talk äussert sich Alfred Herbert auch zu weiteren möglichen Dividendenüberraschungen und zur Entwicklung der chinesischen Börse.